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AccueilNuméros90STADTBILD – IMAGE-VILLEBerlin, feministische Stadt?

STADTBILD – IMAGE-VILLE

Berlin, feministische Stadt?

1913/2015
Berlin, ville féministe ? 1913/2025
Berlin, Feminist City? 1913/2015
Beate BINDER
p. 23-36

Résumés

À l’aide de deux publications, cette contribution explore l’image de Berlin en tant que ville (féministe) des femmes : dans un premier temps, je me concentre sur le guide Was die Frau von Berlin wissen muss, publié en 1913 par Eliza Ichenhaeuser (Berlin 1913). Sur environ 450 pages, l’ouvrage présente Berlin comme un espace de possibilités, surtout pour les femmes de la bourgeoisie. Dans un deuxième temps, j’examine le rôle que la ville a joué pour le mouvement féministe des années 1970 dans le volume Berlin wird feministisch (Cristina Perincioli, Berlin 2015), publié une centaine d’années plus tard. Ainsi, je propose une (re)lecture qui met en relation ces deux représentations de conception très différente. Comment les protagonistes des différents mouvements féministes se référaient-elles à la ville et quelle image de Berlin dessinent-elles ? Comment les débats sur l’égalité des sexes et les luttes féministes se sont-ils inscrits dans l’image de la ville ?

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Texte intégral

  • 1 Beide Publikationen bewegen sich im binären System der Zweigeschlechtlichkeit, auch dort, wo Unters (...)
  • 2 Annett Gröschner, Berolinas zornige Töchter: 50 Jahre Berliner Frauenbewegung, Berlin, FFBIZ, 2018 (...)
  • 3 Ibid., sowie Ute Gerhard, Verhältnisse und Verhinderungen. Frauenarbeit, Familie und Rechte der Fra (...)
  • 4 Als Beleg verweise ich auf das Digitale Deutsche Frauenarchiv, in dem auch Einträge für einige der (...)

1Schon seit langem ist Berlin Schauplatz für soziale Kämpfe um Geschlechtergerechtigkeit und Aktionsraum für Emanzipationsbewegungen von Frauen.1 Im 19. Jahrhundert waren Frauen 1847 an den sozialen Unruhen um die Kartoffelpreise2 ebenso wie an den politischen Kämpfen von 1848 beteiligt. Seit dieser Zeit setzten sie sich auch zunehmend offensiver für mehr Geschlechtergerechtigkeit und die Verbesserung der eigenen Rechtsstellung ein: etwa für Zugang zu Bildung und die Zulassung zum Studium, mehr und bessere Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit, ein allgemeines Wahlrecht wie auch für das Recht, selbst Vereine gründen zu können.3 Die Geschichte der deutschen Frauenbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts wurde inzwischen, auch in ihren Bezügen zu Berlin, in weiten Teilen rekonstruiert.4 Aber wie bezogen sich die damaligen Protagonistinnen auf die gebaute Landschaft und welches Bild der Stadt lag ihren Aktionen zugrunde? Wie haben sich umgekehrt die Auseinandersetzungen um Geschlechtergerechtigkeit und feministische Kämpfe in das Stadtbild eingeschrieben?

  • 5 Eliza Ichenhaeuser (Hrsg.), Was die Frau von Berlin wissen muß: ein praktisches Frauenbuch für Einh (...)
  • 6 Cristina Perincioli, Berlin wird feministisch: das Beste, was von der 68er Bewegung blieb, Berlin, (...)

2In meinem Beitrag gehe ich diesen Fragen anhand von zwei Publikationen nach: Zum einen nehme ich den 1913 von Eliza Ichenhaeuser herausgegebenen Stadtführer Was die Frau von Berlin wissen muss in den Blick.5 Zum anderen zeige ich, welches Bild von Berlin der etwa 100 Jahre später von Cristina Perincioli publizierte Band Berlin wird feministisch entwirft, der vom feministischen Aufbruch in den 1970er Jahren berichtet.6 Die beiden Bände könnten kaum unterschiedlicher sein. Während der Stadtführer darauf ausgerichtet ist, neue wie alte Berlinerinnen über die Stadt zu informieren, handelt es sich bei Cristina Perinciolis Darstellung um einen um Oral History-Elemente erweiterten autobiographischen Rückblick auf die Anfänge der autonomen Frauenbewegung im West-Berlin der 1970er Jahre. Trotz dieser Unterschiede gehe ich davon aus, dass das relationale Lesen der beiden Bände etwas davon zeigen kann, was Berlin zu einer „feministischen Stadt“ macht(e).

  • 7 Vgl. Beate Binder, „Moralische Landschaften. Die Figur der Prostituierten und die Konstitution von (...)
  • 8 Alexa Färber, „Vom Verhältnis stadträumlicher Aneignungspraktiken und materieller Umwelt. Stadtethn (...)
  • 9 Henri Lefebvre, „Die Produktion des Raums“, in Jörg Dünne, Stephan Günzel (Hrsg.), Raumtheorie, Fra (...)

3Beide Bände stellen Repräsentationen der Stadt dar, die Auskunft über zeitspezifische Wahrnehmungsweisen des urbanen Raums wie der jeweiligen Atmosphäre (in) der Stadt geben. Zugleich verstehe ich die Texte auch als performative Interventionen: Sie bilden nicht nur ab, sondern tragen selbst dazu bei, Lesarten von Berlin zu figurieren.7 Aus dieser Perspektive bringen sie nicht nur die Stadt schreibend (mit) hervor, sondern unterbreiten ihren jeweiligen Leser:innen auch Angebote für das eigene Agieren in der Stadt. Gemeinsam ist beiden Publikationen, dass sie die Stadt greifbar(er) machen.8 Sie tragen im Sinne von Henri Lefebvre zur Herstellung von Raum bei, indem sie zum einen im Sinne des espace conçu „das Gelebte und das Wahrgenommene mit dem Konzipierten identifizieren“, und sprechen zum anderen vom espace vécu, dem gelebten Raum, indem sie „beschreiben und nur zu beschreiben glauben“ und dadurch den Raum zu dem machen, „den die Einbildungskraft zu verändern und sich anzueignen sucht“.9 Beide Publikationen sind auf Frauen-Räume – im Sinne von Räumen für und von Frauen – und deren Nutzungsweisen fokussiert. Doch wie sind diese Räume konzipiert und für welche Frauen stehen sie zur Verfügung? Welche Rolle spielt Berlin für die Bewegungen? Um mich diesen Fragen zu nähern, stelle ich die beiden Bände zunächst einzeln vor, indem ich das darin angelegte Bild von Berlin nachzeichne. Im Anschluss betrachte ich beide in Relation zueinander und gehe auf einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein.

Was die Frau von Berlin wissen muss. Ein Stadtführer von 1913

  • 10 Ichenhaeuser hat die Aufgabe nach dem Tod der Initiatorin Gunda Beeg kurzfristig übernommen, Ichenh (...)

4Mit dem Stadtführer Was die Frau von Berlin wissen muss sollte der „Wissenshunger“ von Frauen gestillt werden, waren ihnen doch „die Schätze des Wissens am längsten verschlossen“. Die Herausgeberin Eliza Ichenhaeuser,10 selbst in der damaligen Frauenbewegung engagiert, erläutert weiter:

  • 11 Eliza Ichenhaeuser, „Einleitung“, in dies. (Hrsg), Was die Frau, S. 11-12, hier S. 11.

Als aktive Nutzerinnen der Stadt werden Frauen es doppelt angenehm empfinden […], wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, Berlin vom künstlerischen, wissenschaftlichen, literarischen, politischen, dramatischen, musikalischen und sozialen Standpunkt kennen zu lernen, wenn sie über die Frauenbewegung, über das Unterrichtswesen und die maßgebenden Frauenberufe in Berlin ebenso zuverlässig orientiert werden wie über die vom praktischen Standpunkt nicht minder wichtigen Fragen.11

  • 12 Ibid., S. 12.

5Entsprechend war der Stadtführer nicht entlang von Sehenswürdigkeiten, Konsum- und Freizeitangeboten organisiert, sondern bot thematisch gegliedert Einblicke in die Aktivitäten der zeitgenössischen (bürgerlichen) Frauenbewegung, das Unterrichtswesen und „maßgebendste Frauenberufe“, in das gesamte Spektrum bürgerlichen Kulturlebens – von Literatur, Theater und Museen bis hin zu Mode, Clubleben und Geselligkeit –, in Verkehrswesen, Schaufensterkunst, Wohnungsverhältnisse und einiges mehr. Auf knapp 300 Seiten sind 24 Aufsätze versammelt, verfasst von „kompetenten Führerinnen“ auf ihren jeweiligen Gebieten; ergänzt wird dies durch etwa 150 Seiten „illustrierte Referate“ zum „Berliner Geschäftsleben“ sowie ein dazugehöriges Bezugsquellenregister. Adressiert werden Berlinerinnen, denen versprochen wird, eine „Fülle des Neuen und Belehrenden“ zu erfahren, wie auch „Fremde“, für deren „praktische Orientierung“ der Band sorgen will, und nicht zuletzt hofft die Herausgeberin, dass der Band „auch manches enthält, was die Männer von Berlin wissen sollten“.12

  • 13 Frida Schottmüller, „Die bildende Kunst in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 13-43, S. 13.
  • 14 Georg Simmel, „Die Großstädte und das Geistesleben“, Jahrbuch der Gehe-Stiftung zu Dresden 9, 1903, (...)
  • 15 Gelegentlich geschieht dies allerdings mit einem aus heutiger Perspektive seltsam anmutenden Bildre (...)
  • 16 Margarete Pochhammer, „Berliner Geselligkeit“, in ibid., S. 248-255, S. 254.
  • 17 Elisabeth von Hahn-Stephani, „Die Kunst der Schaufensterdekoration“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, (...)
  • 18 Jarno Jessen, „Das Kunstgewerbe in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 44-53, S. 46.

6In vielen Beiträgen wird der besondere Status von Berlin hervorgehoben – häufig im Duktus der Verteidigung gegen von außen kommende Urteile. So hält beispielsweise die Kunsthistorikerin Frida Schottmöller fest, dass Berlin eine Weltstadt sei, „deren Größe und Reichtum mit andern diesseits und jenseits des Ozeans wetteifern kann“. Entscheidend dafür seien jedoch weniger Lage oder planvolle Anlage der Stadt, sondern vor allem der „Menschenschlag, oder besser die Atmosphäre, die auch die Zugezogenen rasch in ihren Bannkreis zwingt, sie zielstrebig, lebenstüchtig und lernbegierig macht.“13 Wie Georg Simmel in seinem kanonisch gewordenen Vortrag „Die Großstadt und das Geistesleben“14 betonen die Autorinnen das Positive der sich wandelnden Stadt. Auch dort, wo soziale Problemlagen angesprochen werden, sind die Texte auf die Zukunft gerichtet und zeugen von Neugier auf das Werdende.15 Auch der „Berliner Geselligkeit“ bescheinigt die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Margarete Pochhammer „gesellschaftliche Beweglichkeit. Das Neue und die Neuen finden hier eine gute Statt.“16 Im gleichen Duktus schwärmt Jarno Jessen (aka Clara Viebig) vom Aufschwung des Kunstgewerbes in Berlin, das Neues mit Altem zu versöhnen vermöge. In ihren Augen wird das „moderne Warenhaus, das so bewundernswert dem Zeitgemäßen dient, […] ebenso zum Hüter der Kultur“. Als Beispiel dient ihr die durch Elisabeth von Hahn-Stephani reformierte Schaufensterkunst, der auch ein eigener Beitrag der Gestalterin gewidmet ist.17 So wird Berlin zu einem Ort, an dem „auf Schritt und Tritt“ Neuerungen zu bewundern sind, die „den guten Geschmack fördern“.18 Schließlich beschwört die Schriftstellerin Anselma Heine den „Strom von Energie“ und die „geistige Spannung“, die in Berlin zu spüren seien:

  • 19 Heine, Berlins Literatur, S. 87.

Gibt es etwas Phantasieweckenderes als etwa in einer elektrischen Bahn zu sitzen, alle diese verschiedenen Gesichter zu betrachten, diese Menschen, die sich fast häuslich gehen lassen, dann wieder plötzlich sich und ihre Lebensrätsel mit feindlichen Mienen voreinander verschließen?19

  • 20 Eliza Ichenhaeuser, „Berliner Ausflüge und Spaziergänge“, in dies., Was die Frau, S. 288-292.
  • 21 Rhoda Erdmann, „Berlins Wissenschaftliche Anstalten“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 54-73, S. 5 (...)
  • 22 Zu der Zeit wurden Frauen, die allein unterwegs waren, häufig als Prostituierte wahrgenommen, vgl. (...)

7Im Zentrum der Darstellung stehen jedoch nicht die Veränderungen als solche, sondern Räume von und für Frauen. In Berlin, so zeigt die Lektüre, manifestiert sich der Aufbruch von Frauen in Form mannigfaltiger, mit Adressen hinterlegter Angebote. Jenseits der eigenen vier Wände konnten sich Frauen die Stadt mit Blick auf berufliches Fortkommen, soziales Engagement und eigene Interessen zu eigen machen. Sie konnten Angebote für spezifische Berufsgruppen, Orte des geselligen Beisammenseins sowie Räume für Bildung und andere Belange nutzen. Die Berichte über Theater, Literatur, Presse, Museen und so weiter fordern zum Genuss auf und formulieren zugleich einen Bildungsauftrag; allein die Hinweise auf „Berliner Ausflüge und Spaziergänge“ von Eliza Ichenhaeuser20 scheinen ganz auf das Vergnügen am Erkunden der Stadt und ihrer Umgebung ausgerichtet. Dennoch: In der Summe lädt der Stadtführer weniger zum Flanieren und Entdecken, als vielmehr zur aktiven Teilhabe am städtischen Geschehen ein. Die promovierte Biologin Rhoda Erdmann zählt das Wissen über die an Frauen gerichteten Angebote daher folgerichtig zur Allgemeinbildung: „Berlin verlangt von der denkenden Frau, daß sie alle Möglichkeiten zum Lernen und geistigen Genießen kennt“, stellt sie in ihrem Beitrag über „Berlins wissenschaftliche Anstalten“ fest.21 Auch wenn eher unklar bleibt, in welcher Gesellschaft sich Frauen im öffentlichen Raum bewegen (können), wird an keiner Stelle davon abgeraten, die Stadt allein oder mit Freundinnen zu erkunden.22

  • 23 Magarete Pochhammer, „Berliner Geselligkeit“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 248-255, S. 251.
  • 24 Anna Plothow, „Frauenbewegung und Frauenvereine“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 161-188.
  • 25 Alice Salomon „Das Unterrichtswesen für Frauen in Berlin und die pädagogischen Berufe“, in Ichenhae (...)
  • 26 Alice Salomon, „Das Frauenstudium und die wissenschaftlichen Frauenberufe“, in Ichenhaeuser, Was di (...)

8In den Schilderungen werden zwei Entwicklungen verschränkt. Zum einen bezieht sich der Stadtführer auf die Veränderungen des räumlich-sozialen Gefüges der Stadt, etwa durch den Hinweis auf technisch-infrastrukturelle Neuerungen, wie die Einführung der „Elektrischen“, oder auch die Etablierung neuer Räume für Konsum, Freizeit, Arbeit und Bildung, wie das Warenhaus. Zugleich werden Bewegungen im Geschlechterarrangement adressiert. Deutlich formuliert das Margarete Pochhammer, wenn sie schreibt, dass Verkehrsverhältnisse und das „Vertrauen in die beiderseitige Jugend“ dazu geführt haben, dass „die jungen Damen nicht mehr von Dienern oder Zofen abgeholt werden, sondern von den jungen Herren an die Elektrische, die Untergrundbahn oder zu einem Auto geleitet werden.“23 Frauen war es möglich, in der Stadt eigene Erfahrungen zu machen, nicht nur, weil die Stadt ihnen etwas zu bieten hatte und durch Transportmittel erschlossen werden konnte, sondern auch, weil sich die Narrative verändert hatten, die das Leben in der Stadt begleiteten. Besonders eindrücklich zeigt sich das in den Hinweisen auf Ausbildung und Berufstätigkeit. Dann wird Berlin zur Stadt, die Frauen unabhängig von ihrer Lebensform – wenn auch nicht unabhängig von ökonomischen Ressourcen – vielfältige (neue) Möglichkeiten eröffnet. In diesem Sinn geht Anna Plothow auf Vereine, Organisationen und Zusammenschlüsse ein und entfaltet das städtische Netzwerk engagierter „denkender“ Frauen.24 Alice Salomon schildert die Berliner Ausbildungsanstalten für Berufe im Bereich Schule und Erziehung25 und ermutigt Frauen, „die über eine gute Begabung, über ausreichende Mittel und eine feste Gesundheit verfügen“ auch zum Studium.26

  • 27 Margarete Pochhammer, „Berliner Wohnungsverhältnisse“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 231-238.
  • 28 Pochhammer, Berliner Geselligkeit, S. 255.

9An Frauen gerichtete Verhaltenserwartungen wie auch ihre Handlungsmöglichkeiten veränderten sich nicht zuletzt durch den Einfluss derjenigen, die sich aktiv für mehr Geschlechtergerechtigkeit einsetzten. Einige Autorinnen rechnen sich der Frauenbewegung zu und schreiben aus dieser Perspektive. Sie fordern ihre Leserinnen auf, das neue räumlich-geschlechtliche Gefüge für sich zu nutzen und es mitzugestalten. Wenn die Stadt als geschlechtlich segregiert gezeigt wird, geschieht das einerseits im Sinne eines selbstbewussten Hinweises auf erobertes Terrain, nicht zuletzt auch auf Wohnraum für alleinstehende Frauen;27 zum anderen scheint das Unterwegssein in der Stadt für Frauen nach wie vor prekär zu sein, etwa wenn Margarete Pochhammer zur Berliner Geselligkeit ausführt: „Für die einzelne Frau ist es naturgemäß immer noch nicht so leicht wie für den einzelnen Mann, sich gesellschaftlich einzurangieren. Und sie muss ja auch mit ihren Beziehungen vorsichtiger sein.“28

  • 29 Alice Salomon, „Soziale Frauenarbeit in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 204-207, S. 204.
  • 30 Annie Lehr de Waal, „Die Wohlfahrtspflege in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 129-146, S. (...)
  • 31 Ibid., S. 142.
  • 32 Ibid., S. 145, Rhoda Erdmann, „Berlins Wissenschaftliche Anstalten“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, (...)
  • 33 Plothow, Frauenbewegung, S. 173.
  • 34 Iris Schröder, „‚Was die Frau von Berlin wissen muß?‘ Ambivalenzen weiblicher Geselligkeit“, in Mei (...)
  • 35 Plothow, Frauenbewegung, S. 168 und 181.
  • 36 Ibid., S. 182.

10Durchkreuzt wird die geschlechtliche Segregation von einer sozialen. Dies zeigt sich bereits in den aufgeführten Adressen, die von in den Stadtraum eingelassenen sozialen Differenzen zeugen. Während Berufsbildungsstätten und Anlaufstellen für bürgerliche Frauen vornehmlich im reicheren Westen lagen (z.B. in Charlottenburg, Schöneberg oder Friedenau), sind im Osten der Stadt Wohltätigkeitsvereine und an Unterschichtsfrauen gerichtete Angebote lokalisiert. Dabei lagen in den sozialen Verwerfungen, die mit Industrialisierung und Urbanisierung einhergingen, für bürgerliche Frauen durchaus Chancen: Sie brachten einen Bedarf nach dem hervor, was als spezifisch weibliches Vermögen wahrgenommen wurde. Mit „dem Anwachsen der Großstadt, mit dem Auftauchen immer neuer und schwierigerer sozialer Probleme“29 entstand die soziale Arbeit als für Frauen besonders geeignet erscheinendes Feld der Berufstätigkeit. Ein entsprechendes Studium wird als Einstieg in die Tätigkeit einer „Wohnungsinspektorin“, „Trinkerfürsorgeschwester“ oder Jugendpflegerin beschrieben; außerdem werden Frauen in der Wohlfahrt wie im Bildungsbereich als Erzieherinnen, Lehrerinnen und Bibliothekarinnen gesehen. Die geschilderten Berufsmöglichkeiten verknüpfen sich in den Darstellungen mit dem Programm der bürgerlichen Gesellschaft, die „soziale Frage“ durch gleichermaßen fürsorgende wie kontrollierende Zugriffe auf alle zu lösen, die dem ebenso umkämpften, wie festgefügten moralischen Kodex der Bürgerlichkeit nicht entsprachen. Die Aufforderung, sich an der Wohlfahrtpflege zu beteiligen, erlaubte so zwar einerseits das Überschreiten sozialer Grenzen, wenn Frauen „selbst mit Hand anlegen an das große Werk, das sie in alle Tiefen, aber auch auf die Höhen des Menschseins führen wird.“30 Andererseits werden die Lebensformen, mit denen sich Frauenvereine und Wohlfahrtsorganisationen befassten, allein aus einer paternalistischen Perspektive sichtbar. „Gefangenenfürsorge, Rettungshäuser für gefallene Mädchen, Erziehungsanstalten für verwahrloste Kinder“ und also „lauter nachtschwarze Schatten des Großstadtlebens“31 sind Gegenstand der „Rettungsarbeit“ bürgerlicher Frauenvereine. Diese wollen der „Verwahrlosung“ und „Unordnung“ mittels „Erziehung“, „Arbeitsvermittlung“ und „Fürsorge“ begegnen; Verständnis für soziale Notlagen und nicht-bürgerliche Lebensweisen, ganz zu schweigen von Prostitution oder ähnlichen Formen weiblicher Selbstständigkeit, zeigt sich hingegen kaum. Im selben Atemzug werden mit großer Selbstverständlichkeit die Institutionen des „Kolonialwesens“ mit ihren beruflichen Angeboten für Frauen in die Darstellung integriert.32 Das bürgerliche Leben bildet den Dreh- und Angelpunkt für die Darstellung der unterschiedlichen Aktivitäten, Arbeiterfrauen werden vor allem als Gegenstand „fürsorglichen“ Handelns sichtbar, Alkoholkonsum und „Laster“ in einen eindeutigen Zusammenhang gebracht und Sittlichkeits- wie Abstinenzbewegungen unkritisch in die Agenda der Frauenbewegung integriert.33 Damit werden zum einen politische Differenzen innerhalb der bürgerlichen Frauenbewegung eingeebnet.34 Zum anderen kann aus dieser sicheren Distanz die Schuld am Konflikt mit der proletarischen bzw. sozialdemokratischen Frauenbewegung eindeutig zugewiesen werden: Deren Bündnispolitik mit sozialdemokratischen Männern verhindere ein Zusammengehen in der Sache der Frauen.35 Dies umso mehr als die sozialdemokratischen Protagonistinnen „immer wieder die vollkommene Verschiedenheit der Ziele mit denen der bürgerlichen Frauenbewegung“36 betonten. Auch auf diese Weise wird soziale Segregation fortgeschrieben.

Berlin wird feministisch. Die Stadt der autonomen Frauenbewegung

  • 37 Perincioli, Berlin wird feministisch, S. 8.
  • 38 Ibid.

11Die Lektüre von Cristina Perinciolis Berlin wird feministisch versetzt in eine gänzlich andere zeiträumliche Konstellation. Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg haben Stadtbild und Stadtgesellschaft nachhaltig verändert. Viele Altbauten waren zerstört, die Lücken im Zuge von Wiederaufbauprogrammen teilweise gefüllt worden, und Berlin war seit 1961 durch eine Mauer in Ost und West geteilt. Die feministische Bewegung, von der Perincioli in dem 2015 publizierten Band auf rund 240 Seiten erzählt, agierte allein im Westteil der Stadt. Die Schilderung konzentriert sich auf die Anfänge in den 1970er Jahren. Berichtet wird auf der Grundlage eigener Erfahrungen, Gesprächen mit „27 Berliner Aktivistinnen der Gründungszeit“ sowie Text- und Bilddokumenten davon, wie es möglich war, „ohne Vorbilder […] eine neue Frauenbewegung mit der Organisationsform ‚Frauenzentrum‘ und ‚Frauenprojekte‘ ins Leben zu rufen“.37 Das Buch besteht aus zwei Teilen. Während im ersten in vier thematischen Schwerpunkten („die Linke, die antiautoritäre Bewegung, der Beginn der Lesbenbewegung und die Entstehung des Frauenzentrums“) mehr oder minder chronologisch entlang „persönlicher Erfahrungen beteiligter Frauen“ erzählt wird, sind im zweiten Teil Dokumente zusammengestellt und kommentiert, „in denen jene Fragen, die Feministinnen sich damals stellten, im Original nachzulesen sind“.38 Anders als die Autorinnen des Stadtführers, die gezielt auf Grund ihres Fachwissens ausgewählt worden waren, autorisieren sich Perincioli wie auch ihre Mitstreiterinnen durch ihre Erfahrungen als Expertinnen. Vor diesem Hintergrund kann die Darstellung auch von bereits vorliegenden Darstellungen aus den 1980/90er Jahren abgegrenzt werden, deren Außenperspektive und Fokussierung auf die sozialistische Frauenbewegung für Verzerrungen verantwortlich gemacht werden – diese Grenzziehung durchzieht die gesamte Erzählung.

  • 39 Ibid., S. 149.
  • 40 Ibid., S. 141.
  • 41 Ibid., S. 7.
  • 42 Ibid., S. 7 und 49.

12Mit dem Untertitel wird die feministische Bewegung in einen Zusammenhang mit den Student:innenbewegungen gebracht: Sie sei das „Beste, was von der 68er Bewegung übrig blieb“, jedoch weniger direkte Folge, als vielmehr ein „spätes Echo auf die antiautoritäre Studentenrebellion von 1968“.39 In der damaligen Atmosphäre des Aufbruchs und der Veränderung, die von dem Gefühl getragen war, dass es eine „reale Möglichkeit [gibt], Utopie zu antizipieren“,40 gilt die feministische Bewegung der Autorin als Musterbeispiel dafür, wie gesellschaftliche „Modernisierung“ in Gang gesetzt werden kann. Die Grenzen der feministischen Bewegung werden durch politische Differenzen markiert: Im Unterschied zu den dogmatischen Gruppen der Linken, in denen Frauenemanzipation höchstens als „Nebenwiderspruch“ verhandelt wurde, wohl aber angeregt durch die Stadtteilarbeit von „Spontis“ und anderen antiautoritären Gruppen habe die feministische Bewegung „basisdemokratisch und autonom“41 innovative Formen der Selbstorganisierung geschaffen. Das Gefühl, etwas Neues hervorzubringen, war dem fehlenden Wissen über die „früheren feministischen Frauenbewegungen in Europa“42 geschuldet. Offensichtlich hat die NS-Herrschaft die Anfänge der Frauenbewegungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert so gründlich aus Stadtraum wie -gedächtnis getilgt, dass sie im Zuge der Frauenbewegungen erst wiederentdeckt werden mussten.

  • 43 Bei Letzteren erkundeten Frauen mit Spekulum ihre Genitalien.

13Berlin selbst spielt in der gesamten Darstellung nur eine Nebenrolle. Der Rückblick kommt zunächst ohne Anrufungen an Berlin aus und auch Teilung und politischer Status der Stadt werden nicht thematisiert. Dennoch ist Berlin insofern eine wichtige Akteurin als die Stadt einer der Kumulationspunkte der sozialen Bewegungen der 1960er Jahre war. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn die Großstadt mit Herkunftsorten kontrastiert wird. Dann wird betont, dass in Berlin mehr und ‚anderes‘ möglich war, dass hier Prozesse der Politisierung provoziert wurden und Räume für eigene Anliegen geschaffen werden konnten. Berlin zeigt sich als Möglichkeitsraum, auch weil leerstehende Läden und Fabriketagen für wenig Geld angemietet und für Versammlungen, (Selbsterfahrungs-)Kurse, Interessengruppen und andere Aktivitäten genutzt werden konnten. Diese Räume boten auch die Möglichkeit, um neue Ästhetiken und Körpererfahrungen zu erproben, angefangen vom Sitzen in großer Runde auf am Boden liegenden Matratzen bis hin zu Selbstverteidigungs- und Selbstuntersuchungsgruppen.43 Nicht zuletzt gehörte dazu auch das Entdecken und offene Ausleben der eigenen Homosexualität. Frauenzentren und -projekte bildeten auch die Basis für die offensive Artikulation eines politisch markierten Lesbisch-Seins.

  • 44 Perincioli, Berlin wird feministisch, S. 67 ff.
  • 45 Ibid., S. 68.

14Doch die Erinnerungen an Ästhetiken und Körperpolitiken weckten bei den befragten Mitstreiterinnen auch ambivalente Gefühle. Zwar wird betont, dass die Räume für alle Frauen offenstanden, doch wirkten sie für Außenstehende offenbar wenig einladend. So erinnert sich Ilse Kokula an die Räume der HAW: „Das war noch in der Dennewitzstraße im dritten Hinterhof – diese schreckliche Fabriketage. Im Treppenhaus ging die Beleuchtung nicht, es war immer ungemütlich und dunkel.“44 Interessanterweise fährt Kokula trotz dieser Widrigkeiten mit einem Anliegen fort, das für den Wunsch spricht, möglichst viele Frauen in die Bewegung zu holen: „Wir mussten die Frauen aus dem Sub rauslocken“ – also den Bars und Discos, die lesbischen Frauen gewissermaßen unter der Oberfläche des offiziellen Berlins einen Ort der Zugehörigkeit boten. Auch in der weiteren Erzählung werden Frauenzentren von diesen Räumen deutlich abgegrenzt: „Die Frauen im Sub bemühten sich sehr, dem weiblichen Rollenbild möglichst genau zu entsprechen durch Outfit und Körpersprache, oder aber sie betonten verschärft die andere Seite“, aber das interessierte die Erzählerin Petra Lang nicht, weshalb sie sich den Räumen der feministischen Bewegung zuwandte.45

  • 46 Eindrücklich zeigt Nr. 1. Frauenstadtbuch Berlin (Barbara Kavemann, Adele Meyer, Bettina Schäfer, B (...)
  • 47 Perincioli, Berlin wird feministisch, S. 41.
  • 48 Ibid., S. 137. Es fehlt das erste „Frauenhaus“, das 1976 von Frauen helfen Frauen e.V. gegründet wu (...)
  • 49 Das Archiv geht auf einen Beschluss der Frauengruppe in der HAW zurück, zunächst als private Sammlu (...)

15Auch wenn einige der benannten Räume im Rückblick zu ikonischen Orten der entstehenden feministischen Bewegung geworden sind, erscheinen sie in der Darstellung eher wie zufällige Schauplätze. Die Erzählung nimmt an der „Deutschen Film- und Fernsehakademie“ (dffb) ihren Ausgangspunkt: Hier hat Perincioli studiert, sich politisiert und ihre ersten Filme über und mit Frauen realisiert. Im weiteren Verlauf zeigt sich die feministische Bewegung nicht nur als Zusammenschluss von Personen, sondern als ein stetig wachsendes Netzwerk von Bezugspunkten in der Stadt.46 Genannt werden etwa der Cosimaplatz in Friedenau mit der ersten „unabhängige[n] Frauenkommune“,47 die Dennewitzstraße mit dem Zentrum der Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW), die Hornstraße mit dem ersten Frauenzentrum, das erste Frauenkneipenkollektiv Der Blocksberg in der Yorckstraße sowie weitere Bars, etwa das Inconnue in Charlottenburg, Die Zwei in Schöneberg oder – als temporärer Ort für Partys – die Alte Mensa der Technischen Universität in der Hardenbergstraße. Im Lauf der 1970er Jahre erweiterte sich die Landkarte um Frauenbuchvertriebe und -buchläden, Zeitungs- und Druckereikollektive, ein Zentrum für Selbstverteidigungskurse, verschiedene Beratungsstellen und das Feministische Frauengesundheitszentrum (FFGZ).48 Mit dem Feministischen Frauen-Informations- und Bildungszentrum (FFBIZ) sowie später dem Spinnboden Lesbenarchiv49 begannen Selbstarchivierung und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte der Frauen- und Lesbenbewegungen.

16Die Rede vom Erkunden der Realität zieht sich wie ein roter Faden durch Perinciolis Darstellung, entlang dessen Denkbewegungen, Theoriedebatten und vor allem Erfahrungen mit unterschiedlichen Gruppen geordnet werden. Der Wunsch nach Veränderung und die Hinwendung zu gesellschaftlichen Verhältnissen sind dicht verknüpft, wenn Perincioli über ihre eigene Politisierung schreibt:

  • 50 Perincioli, Berlin wird feministisch., S. 18.

Hatte mich bisher eine erstarrte Gesellschaft […] in den Kunst-Untergrund getrieben, so gab mir der 68er Aufbruch Hoffnung: Nichts muss bleiben, wie es ist, alle Fragen sind erlaubt. Und so machte ich mich jetzt mit Begeisterung daran, die Realität zu erkunden.50

  • 51 Ibid., S. 52.

17Beim Erkunden standen Frauen mit ihren Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten stets an erster Stelle. Zu diesem Programm gehörte auch das neugierige Überschreiten sozialer Grenzen. In den von antiautoritären Gruppen gegründeten Stadtteilgruppen etwa in Spandau und Moabit, aber auch in der Hochhaussiedlung Märkisches Viertel und „andere[n] Schlafstätten“ traf Perincioli „unter Hausfrauen und kleinen Angestellten so neugierige, wild entschlossene Frauen, wie ich eine war“.51

  • 52 Ibid., S. 137.

18Die feministische Frauen- und Lesbenbewegung schrieb sich mit ihrem Netzwerk aus Orten in die Stadt ein, zog dabei eigene Grenzen und überschritt andere. Eine klare Grenze wurde zur bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft und deren Weiblichkeitsvorstellungen gezogen, was sowohl die Grundlage für die Solidarisierung mit allen Frauen bildete als auch Begründung für den Verzicht auf „Staatsknete“52 lieferte. Zweitens bestimmte die Distanzierung von männlich dominierten linken, aber auch schwulen Gruppen die eigene Verortung. Aber auch zur sozialistischen Frauenbewegung, die für „Kaderpolitik“ stand, wird eine deutliche Grenze gezogen. Ambivalenter scheint das Verhältnis zu etablierten Orten der homosexuellen Subkultur, denen ein Mangel an politischem Bewusstsein und ein unkritischer Umgang mit Geschlechterbildern attestiert wurde – auch wenn deren Besucherinnen dennoch für die eigene Sache gewonnen werden sollten. In dieser Konstellation waren die entstehenden Frauen- und Lesbenorte Bezugspunkte für das eigene politische wie sexuelle Coming Out und Möglichkeitsräume einer anderen Gesellschaft, in der Frauen selbstbestimmt und autonom agieren können. Dass Berlin weit über seine Grenzen hinaus mit dieser neuen Landkarte zum Sehnsuchtsort wurde, wird besonders deutlich in einem Brief einer Schweizer Freundin, den Perincioli zitiert:

  • 53 Ibid., S. 69.

Ich möchte nach Berlin […] mich wohlfühlen unter meinesgleichen […] und sehen und hören: dass es viele Mädchen und Frauen gibt, die andersrum sind, ein paar Tage normal sein und die Gesellschaft auslachen und den Spieß einmal umdrehen, mich stark fühlen und glücklich, eine lesbische Frau zu sein, Kraft und Mut schöpfen in einer großen Stadt, in einer großen Gruppe, ich möchte nach Berlin, schneller, als es geht, schreib mir, wie es gehen könnte …53

Von prekären Verortungen und greifbaren Utopien: ein Fazit

19Diese knappen Hinweise vermitteln einen Eindruck, wie Berlin in den beiden Publikationen dargestellt wird. Auch wenn die jeweiligen Präsentationen und Konzeptionen sehr unterschiedlich sind, zudem die jeweiligen zeit-räumlichen Konstellationen nur angedeutet werden konnten, möchte ich abschließend die beiden Bände in Relation zueinander betrachten.

  • 54 Vgl. Gottfried Korff, „‚Die Stadt aber ist der Mensch‘“, in ders., Reinhard Rürup (Hrsg.), Berlin, (...)

20Beide entwerfen die Stadt als eine Assemblage unterschiedlicher Dynamiken und Räume. Außer Frage steht in beiden der besondere Status Berlins. Insbesondere der Stadtführer entwirft Berlin als Ort, an dem sich die Effekte von Industrialisierung und Urbanisierung besonders deutlich artikulieren. Trotz der oft langatmigen Beiträge transportiert der Stadtführer die Vorstellung von Berlin als Stadt des Tempos und des Aufbruchs, von Moderne und Fortschritt.54 In Perinciolis Rückblick wird die Stadt als solche zwar kaum explizit adressiert, doch die Dichte an Ereignissen macht Berlin implizit zu einem Ort, der besondere Erfahrungen bereithält. Beide Bände transportieren die besondere Atmosphäre, die durch Aufbruch und Vorwärtsdrängen erzeugt wird, und machen diese zum Kennzeichen der Stadt.

21Die eigenen Aktivitäten haben maßgeblichen Anteil an dieser Atmosphäre. Doch der Aufbruch selbst hat eine je unterschiedliche Stoßrichtung. Während die bürgerliche Frauenbewegung um 1900 noch eher standesbewusst auf gesellschaftliche Anerkennung setzt, imaginiert die feministische Bewegung der 1970er Jahre eine grundsätzliche Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. In beiden Bänden wird Berlin als Gebilde beschrieben, das Veränderungen ermöglichen und Raum bieten kann. Dieser Eindruck wird bereits durch die Vielzahl wie Vielfalt der thematisierten frauenspezifischen Angebote und Aktivitäten erzeugt, die zugleich die Virulenz der Kämpfe um Gleichberechtigung greifbar werden lassen. In dieser Hinsicht geht der Stadtführer insofern einen Schritt weiter, als die Leserinnen direkt aufgefordert werden, sich an den angestoßenen Veränderungen zu beteiligen, indem sie die Chancen ergreifen, die die Stadt ihnen bietet. Insofern werden die Leserinnen als Stadtbürgerinnen direkt adressiert und einbezogen. An ein solches Programm kann Perinciolis Rückblick auf die 1970er Jahre nur insofern anschließen, als das Wissen um das „Beste, was von der 68er Bewegung übrigblieb“ neugierig macht, selbst nach Spuren Ausschau zu halten und die Stadt mit erweitertem Blick wahrzunehmen.

  • 55 Sven Reichardt, Authentizität und Gemeinschaft: linksalternatives Leben in den siebziger und frühen (...)

22Beiden Bänden gemeinsam scheint mir nicht zuletzt die Zuversicht, dass gesellschaftliche Veränderung überhaupt möglich ist und die Stadt dafür genutzt werden kann. Doch auch in dieser Hinsicht zeigen sich Unterschiede. Perinciolis Bericht wird ganz von dem utopischen Sehnen nach einer anderen möglichen Gesellschaft getragen, der den sozialen Bewegungen der 1960/70er Jahre grundsätzlich zu eigen war.55 Die feministische Bewegung ist fest verbunden mit der Abgrenzung von der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung. Die Zuversicht der Autorinnen des Stadtführers scheint demgegenüber eher davon getragen zu sein, einen ihnen und ihren Anliegen angemessenen Platz zuerkannt zu bekommen. Der Wunsch nach mehr Einfluss- und selbstständigen Entscheidungsmöglichkeiten für Frauen ist im Stadtführer wie selbstverständlich mit einem bürgerlichen Blickregime verbunden. Die Anrufung der Geschlechtsgenossinnen wird von eher rigiden Moralvorstellungen und der Affirmation sozialer wie rassifizierter Grenzziehungen begleitet, weshalb die Lektüre ambivalente Gefühle hinterlässt. In Perinciolis Darstellung dominiert hingegen die Grenzziehung einer binär gedachten Geschlechterordnung. Auf diese Weise wird die Unabhängigkeit von männlichen dominierten Räumen und Gruppen plausibilisiert und es kann die sexuelle Orientierung, genauer das Lesbisch-Sein zu einem Bezugspunkt werden, der im Stadtführer keinen Raum findet, auch wenn einige Protagonistinnen der bürgerlichen Frauenbewegung in Frauenbeziehungen lebten.

  • 56 Despina Stratigakos, A women’s Berlin: building the modern city, Minneapolis, MN, University of Min (...)
  • 57 Ibid.

23In beiden Darstellungen bilden die für eigene Bedarfe und Bedürfnisse geschaffenen Räume einen zentralen Ankerpunkt und zwar sowohl als in die Stadtlandschaft eingelassene Zeichen der sich vollziehenden Veränderungen und damit verbundener Kollektivierungsprozesse, wie auch als physische Räume: Als konkrete Orte des Versammelns ermöglichten sie das Erleben von Kollektivität und boten Raum für die Artikulation eigener Sichtweisen, Ansprüche und Körperpolitiken.56 Aus dieser Perspektive kann das Stadtbuch als performative Manifestation eines Rechts auf Stadt verstanden werden. Deutlich wird gezeigt, dass Frauen – allen Warnungen vor möglichen Gefahren zum Trotz – ein eigenständiger Platz in der urbanen Öffentlichkeit gebührt.57 Damit verband sich auch das Recht, sich selbstständig, das heißt auch ohne Männer, zu versammeln und zu organisieren.

  • 58 José Esteban Muñoz, Cruising utopia: the then and there of queer futurity. New York/ London, New Y (...)

24Auch wenn Frauen nach wie vor mit sexualisierter Gewalt im öffentlichen Raum konfrontiert waren, war es in den 1970er Jahren selbstverständlicher, sich als Frau frei in der Stadt zu bewegen. Insofern hat auch die Performativität der Darstellung einen anderen Ansatzpunkt. Perincioli zeigt eindrücklich, wie das Verlangen nach einer anderen Gesellschaft mit der Kritik an cis- wie heteronormativen Weiblichkeits- und Körperbildern im Wunsch nach Kollektivierung zusammentraf. Daher werden die Frauenräume im Grunde als Bühnen präsentiert, auf denen Selbstdarstellungen und ein Umgang miteinander erprobt und gelebt werden konnten, in denen sich das Begehren nach einer anderen Gesellschaft bereits realisierte.58

  • 59 Vgl. Beate Binder, „Mapping ‚Queer Berlin’ – Queering Space!?, in dies., Moritz Ege, Anja Schwanhäu (...)

25Die Lektüre provoziert im Grunde auch die Frage, wie und wo der Wunsch nach Veränderung im heutigen Berlin (noch) Raum findet. Das Narrativ von Berlin als Ort, an dem ein Leben jenseits dominanter gesellschaftlicher Vorstellungen möglich ist, scheint fest etabliert und hat auch seit langem seinen Weg in das Stadtmarketing gefunden.59 Aktuell klingt das so:

Seien Sie so, wie Sie sind. Lieben Sie, wen Sie wollen – in Berlin sind Toleranz und Freiheit nicht nur Worte. Erleben Sie Berlin heute als eine der offensten und tolerantesten Städte der Welt. Die schwul-lesbische und queere Szene der deutschen Hauptstadt ist heute eine der lebendigsten.60

26Doch die Möglichkeiten, Räume selbstbestimmt für gesellschaftliche Experimente und utopisches Erproben zu reklamieren, werden in Berlin zunehmend geringer. Der mit deutsch-deutscher Vereinigung und Hauptstadtwerdung einhergehende Umbau Berlins basiert auf Verwertungslogiken, die das Verschwinden von Freiräumen zur Folge hat. Dies betrifft auch die Möglichkeitsräume sozialer – und damit auch feministischer – Bewegungen. In den letzten Jahren sind einige Orte der feministischen Bewegungen spurlos verschwunden, andere kämpfen ums Überleben.

  • 61 Plothow, Frauenbewegung und Frauenvereine, S. 175.

27Umso wichtiger scheint es, das Wissen um die Geschichte feministischer Kämpfe wach zu halten. Bereits im Stadtführer wird die Gegenwart mit historischen Narrativen verbunden, etwa wenn Anna Plothow ihre Leserinnen daran erinnert, dass sie „auf den Schultern jener alten, nun schon meist vergessenen Kämpferinnen [stehen], die ihnen die besseren Bildungs-, Arbeits- und Rechtsbedingungen schufen, unter denen sie heute leben und wirken können“.61 Wie prekär ein solches Wissen um vergangene Kämpfe ist, wird mit Perinciolis Bemerkung über die Unkenntnis der entstehenden Bewegung über ihre Vorgängerinnen deutlich. So könnte aus der Lektüre der beiden Bände auch der Auftrag an heutige Leser:innen abgeleitet werden, sich für die Sichtbarkeit des Wissens um soziale wie politische Kämpfe einzusetzen und dieses, über existierende Erinnerungszeichen und Archive hinaus, im Sinne einer offenen, bunten und feministischen Stadtgesellschaft zu mobilisieren.

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Notes

1 Beide Publikationen bewegen sich im binären System der Zweigeschlechtlichkeit, auch dort, wo Unterschiede – etwa in Hinblick auf Sexualität und Klasse – zwischen Frauen adressiert werden. Ich habe mich entschieden, ebenfalls Frauen zu schreiben, beziehe dabei aber alle sich als Frauen identifizierenden Personen ein.

2 Annett Gröschner, Berolinas zornige Töchter: 50 Jahre Berliner Frauenbewegung, Berlin, FFBIZ, 2018, S. 21.

3 Ibid., sowie Ute Gerhard, Verhältnisse und Verhinderungen. Frauenarbeit, Familie und Rechte der Frauen im 19. Jahrhundert, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1978.

4 Als Beleg verweise ich auf das Digitale Deutsche Frauenarchiv, in dem auch Einträge für einige der in diesem Text erwähnten Autorinnen und Orte zu finden sind: [https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de], Stand 23. Juli 2025.

5 Eliza Ichenhaeuser (Hrsg.), Was die Frau von Berlin wissen muß: ein praktisches Frauenbuch für Einheimische und Fremde, Berlin/ Leipzig, Loesdau, 1913.

6 Cristina Perincioli, Berlin wird feministisch: das Beste, was von der 68er Bewegung blieb, Berlin, Querverlag, 2015.

7 Vgl. Beate Binder, „Moralische Landschaften. Die Figur der Prostituierten und die Konstitution von Stadt um 1900“, in dies., Cornelius Borck, Volker Hess (Hrsg.), Wahnsinnsgefüge der urbanen Moderne. Räume, Routinen und Störungen 1870–1930, Wien/ Köln/ Weimar, Böhlau, 2018, S. 123-156.

8 Alexa Färber, „Vom Verhältnis stadträumlicher Aneignungspraktiken und materieller Umwelt. Stadtethnologische Überlegungen zur Greifbarkeit der Stadt“, dérive. Zeitschrift für Stadtforschung 40, 2010, S. 100-105.

9 Henri Lefebvre, „Die Produktion des Raums“, in Jörg Dünne, Stephan Günzel (Hrsg.), Raumtheorie, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2006, S. 300-342, alle Zitate S. 336.

10 Ichenhaeuser hat die Aufgabe nach dem Tod der Initiatorin Gunda Beeg kurzfristig übernommen, Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 7. Siehe auch Beate Binder, „‚Was die Frau von Berlin wissen muss’. Die Stadt um 1900 als Möglichkeitsraum bürgerlicher Frauen“, in Markus Tauschek (Hrsg.), Handlungsmacht, Widerständigkeit und kulturelle Ordnungen. Potenziale kulturwissenschaftlichen Denkens, Münster/ New York/ München/ Berlin, Waxmann, 2017, S. 27-40.

11 Eliza Ichenhaeuser, „Einleitung“, in dies. (Hrsg), Was die Frau, S. 11-12, hier S. 11.

12 Ibid., S. 12.

13 Frida Schottmüller, „Die bildende Kunst in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 13-43, S. 13.

14 Georg Simmel, „Die Großstädte und das Geistesleben“, Jahrbuch der Gehe-Stiftung zu Dresden 9, 1903, S. 185-206.

15 Gelegentlich geschieht dies allerdings mit einem aus heutiger Perspektive seltsam anmutenden Bildrepertoire, wenn z.B. über das Berliner Theater gesagt wird, dass die dortigen „stürmenden Ungezogenheiten“ zwar „manch gärende Kraft“ bergen, aber die „vielfach absurden Gebärden solchen Weines“ auf einen „starken, edlen und feurigen Wein“ hoffen lassen. Doris Wittner, „Berlins Theater“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 101-111, S. 101.

16 Margarete Pochhammer, „Berliner Geselligkeit“, in ibid., S. 248-255, S. 254.

17 Elisabeth von Hahn-Stephani, „Die Kunst der Schaufensterdekoration“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 273-274.

18 Jarno Jessen, „Das Kunstgewerbe in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 44-53, S. 46.

19 Heine, Berlins Literatur, S. 87.

20 Eliza Ichenhaeuser, „Berliner Ausflüge und Spaziergänge“, in dies., Was die Frau, S. 288-292.

21 Rhoda Erdmann, „Berlins Wissenschaftliche Anstalten“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 54-73, S. 54. In Preußen waren Frauen ab 1896 als Gasthörerinnen, ab 1909 mit Einschränkungen als ordentliche Studentinnen zugelassen. Vgl. Ausstellunggruppe an der Humboldt-Universität zu Berlin und Zentrum für interdisziplinäre Frauenforschung (Hrsg.), Von der Ausnahme zur Alltäglichkeit: Frauen an der Berliner Universität Unter den Linden Berlin, Berlin, Trafo, 2003.

22 Zu der Zeit wurden Frauen, die allein unterwegs waren, häufig als Prostituierte wahrgenommen, vgl. Aruna D’Souza, Tom McDonough (Hrsg.), The invisible flâneuse? Gender, public space, and visual culture in nineteenth-century Paris, Manchester/ New York, Manchester University Press, 2006; Binder, „Moralische Landschaften“.

23 Magarete Pochhammer, „Berliner Geselligkeit“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 248-255, S. 251.

24 Anna Plothow, „Frauenbewegung und Frauenvereine“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 161-188.

25 Alice Salomon „Das Unterrichtswesen für Frauen in Berlin und die pädagogischen Berufe“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 189-197, S. 196 ff.

26 Alice Salomon, „Das Frauenstudium und die wissenschaftlichen Frauenberufe“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 198-203. Die strengen Bedingungen an der Berliner Universität würden durch gute Beschäftigungsaussichten aufgewogen, ibid., S. 199.

27 Margarete Pochhammer, „Berliner Wohnungsverhältnisse“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 231-238.

28 Pochhammer, Berliner Geselligkeit, S. 255.

29 Alice Salomon, „Soziale Frauenarbeit in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 204-207, S. 204.

30 Annie Lehr de Waal, „Die Wohlfahrtspflege in Berlin“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 129-146, S. 146.

31 Ibid., S. 142.

32 Ibid., S. 145, Rhoda Erdmann, „Berlins Wissenschaftliche Anstalten“, in Ichenhaeuser, Was die Frau, S. 54-73, S. 58.

33 Plothow, Frauenbewegung, S. 173.

34 Iris Schröder, „‚Was die Frau von Berlin wissen muß?‘ Ambivalenzen weiblicher Geselligkeit“, in Meike Sophia Baader et al. (Hrsg.), Bildungsgeschichten. Köln/ Weimar/ Wien, Böhlau, 2006, S. 275-292, S. 288.

35 Plothow, Frauenbewegung, S. 168 und 181.

36 Ibid., S. 182.

37 Perincioli, Berlin wird feministisch, S. 8.

38 Ibid.

39 Ibid., S. 149.

40 Ibid., S. 141.

41 Ibid., S. 7.

42 Ibid., S. 7 und 49.

43 Bei Letzteren erkundeten Frauen mit Spekulum ihre Genitalien.

44 Perincioli, Berlin wird feministisch, S. 67 ff.

45 Ibid., S. 68.

46 Eindrücklich zeigt Nr. 1. Frauenstadtbuch Berlin (Barbara Kavemann, Adele Meyer, Bettina Schäfer, Berlin, Zitronenpresse, 1984) die Vielfalt der Initiativen und Projekte.

47 Perincioli, Berlin wird feministisch, S. 41.

48 Ibid., S. 137. Es fehlt das erste „Frauenhaus“, das 1976 von Frauen helfen Frauen e.V. gegründet wurde.

49 Das Archiv geht auf einen Beschluss der Frauengruppe in der HAW zurück, zunächst als private Sammlung, dann ab 1980 bzw. 1983 als Spinnboden – Archiv zur Entdeckung und Bewahrung von Frauenliebe e.V., vgl. [https://spinnboden.de/], Stand 24. Juli 2025.

50 Perincioli, Berlin wird feministisch., S. 18.

51 Ibid., S. 52.

52 Ibid., S. 137.

53 Ibid., S. 69.

54 Vgl. Gottfried Korff, „‚Die Stadt aber ist der Mensch‘“, in ders., Reinhard Rürup (Hrsg.), Berlin, Berlin. Die Ausstellung zur Geschichte der Stadt, Berlin, 1987, S. 643-663.

55 Sven Reichardt, Authentizität und Gemeinschaft: linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren, Berlin, Suhrkamp, 2014.

56 Despina Stratigakos, A women’s Berlin: building the modern city, Minneapolis, MN, University of Minnesota Press, 2008, S. 15.

57 Ibid.

58 José Esteban Muñoz, Cruising utopia: the then and there of queer futurity. New York/ London, New York University Press, 2009.

59 Vgl. Beate Binder, „Mapping ‚Queer Berlin’ – Queering Space!?, in dies., Moritz Ege, Anja Schwanhäuser, Jens Wietschorke (Hrsg.), Orte, Situationen, Atmosphären. Kulturanalytische Skizzen, Frankfurt a.M., New York, Campus, 2010, S. 87-101.

60 Visit Berlin: Queer & Gay Berlin: LGBTQ+-Guide für Berlin [https://www.visitberlin.de/de/gay-berlin-lgbtq-guide-fuer-berlin], Stand 30. März 2025.

61 Plothow, Frauenbewegung und Frauenvereine, S. 175.

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Pour citer cet article

Référence papier

Beate BINDER, « Berlin, feministische Stadt? »Cahiers d’Études Germaniques, 90 | 2026, 23-36.

Référence électronique

Beate BINDER, « Berlin, feministische Stadt? »Cahiers d’Études Germaniques [En ligne], 90 | 2026, mis en ligne le 01 juin 2026, consulté le 09 août 2026. URL : http://journals.openedition.org/ceg/24307 ; DOI : https://doi.org/10.4000/16hms

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Auteur

Beate BINDER

Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland

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Droits d’auteur

CC-BY-NC-ND-4.0

Le texte seul est utilisable sous licence CC BY-NC-ND 4.0. Les autres éléments (illustrations, fichiers annexes importés) sont susceptibles d’être soumis à des autorisations d’usage spécifiques.

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