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AccueilNuméros90DENKBILD – IMAGE DE PENSEE„Augenweide“ und „Ohrenschmaus“

DENKBILD – IMAGE DE PENSEE

„Augenweide“ und „Ohrenschmaus“

Über die mediale Verfertigung von Berlinbildern in Walter Benjamins Rundfunkvorträgen für Kinder
« Régal pour les yeux » et « Festin pour les oreilles ». Sur l’élaboration médiale des images berlinoises dans les écrits radiophoniques pour enfants de Walter Benjamin
“Feast for One’s Eyes” and “Treat for the Ear”. On the Medial Production of Berlin Images in Walter Benjamin’s Radio Scripts for Children
Daniel KAZMAIER
p. 149-162

Résumés

Dans ses écrits radiophoniques pour enfants, Walter Benjamin élabore une cartographie auditive de Berlin. En adaptant son écriture à la médialité de la radio, il associe l’ouïe et la vue pour créer des images mentales de Berlin. Les termes « régal pour les yeux » et « festin pour les oreilles » symbolisent le passage d’impressions acoustiques à des images mentales et soulignent l’enchevêtrement des perceptions auditive et visuelle. Image de pensée et image de la ville sont ainsi entremêlées. Jouant avec le topos de la contrainte temporelle, ses pièces radiophoniques mettent en scène un présent spécifique qui associe la réflexion sur la langue et l’élaboration médiatique en tant que procédé esthétique.

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Texte intégral

  • 1 Ich zitiere im Folgenden die Rundfunkvorträge über Berlin nach folgender Ausgabe unter Angabe der S (...)

1Walter Benjamin hat von 1927 bis 1933 für das Radio gearbeitet und von wahrscheinlich November 1929 bis Juli 1930 (oder 1931) insgesamt zwölf Rundfunkbeiträge1 für Kinder verfasst, die sich um Berlin drehen. Die Metropole Berlin wird hier in allen ihren Facetten und Ansichten insofern hörbar, als Benjamin mediale, d.h. über das Hören vermittelte Bilder herstellt. Er betreibt in diesen Vorträgen eine auditive Kartographie Berlins. Seine „letzte Rundfunksendung“ am 29. Januar 1933 gilt der Berliner Kindheit um 1900 und wird von der Programm-Zeitung des Südwestdeutschen Rundfunks als „unveröffentlichte[] Skizzensammlung“ präsentiert. Bereits am 31. Dezember 1932 kündigt die Vossische Zeitung eine Lesung im Berliner Sender an, die „Kindheitsbilder von Walter Benjamin“ verspricht. Mit diesen beiden Sendungen (man weiß nicht genau, ob sie wirklich stattfanden) geht für Benjamin nicht nur ein Lebensabschnitt zu Ende, wie er es retrospektiv in seinem 1938 verfassten Vorwort zur Berliner Kindheit vorausgeahnt haben wird, sondern auch ein Karriereabschnitt im Radio, der maßgeblich für seine erzählerische Erinnerungsarbeit ist.

2Diese Erinnerungsarbeit hat ihren nachhaltigsten Niederschlag in den Texten der Berliner Kindheit gefunden, aber sie hat eine Vorgeschichte am Radiomikrophon, die Stadtbild und Erinnerung als Denkbild medial miteinander verflicht. Die Rundfunkvorträge über Berlin entstehen nach den beiden einzigen größeren Texten, die Benjamin zu Lebzeiten veröffentlicht hat, der Einbahnstraße und dem Ursprung des deutschen Trauerspiels. Die Berlin-Vorträge stellen im neuen Medium Radio, für das Benjamin nach dem Verzicht auf eine akademische Karriere arbeitet, Auftakt und Spielwiese für neue Schreibweisen dar. Mit den Rundfunkvorträgen im Allgemeinen und denjenigen über Berlin im Besonderen erprobt Benjamin eine mediensensible Schreibweise, die auf das Hören abzielt und dieses sowohl als Primärsinn der Rezeption wie auch als Vermittlungsinstanz für Vorstellungsbilder versteht. Dergestalt entwickelt er eine Schreibweise, die sich den Möglichkeiten des Dispositivs Radio anpasst und deren sprachliche Potenziale auslotet.

  • 2 Vgl. Ilit Ferber, „Walter Benjamin and the Acoustics of Childhood“, Angelaki : journal of theoretic (...)

3Damit schließe ich an eine Argumentationslinie an, die eine Forschungsrichtung vertieft, die das Hören gleichberechtigt neben den ansonsten in der Benjamin-Forschung allzu prominenten Bilddiskurs stellen will.2 Das Denkbild, so meine Argumentation, setzt sich aus den Verarbeitungen und Verflechtungen der Sinne Hören und Sehen im medialen Dispositiv Radiovortrag zusammen. Nach den theoretisch-konzeptionellen Überlegungen zum Denkbild als medienaffine Schreibweise bei Benjamin widme ich mich der Verfertigung des Stadtbilds Berlin als Chronotopos in den Berlin-Vorträgen für Kinder und frage danach, wie sich das Stadtbild Berlin medial selbstreflexiv über das Hören am Radio und das dadurch gleichzeitig vergegenwärtigte Sehen zusammensetzt.

Denkbild

4Konzeptuell ausgearbeitet hat Benjamin den Begriff Denkbild nicht. Er hat am 15. November 1933 unter seinem Pseudonym Detlef Holz einige Texte unter dem Titel ‚Denkbilder‘ in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht. Dieser Veröffentlichungszusammenhang, der die Stücke Zum Tode eines Alten, Der gute Schriftsteller, Traum, Erzählung und Heilung, Traum, Die neue Gemeinschaft und Brezel, Feder, Pause, Klage, Firlefanz enthält, wurde so mit demselben Titel in den Gesammelten Schriften übernommen. Dabei fungiert der Begriff Denkbilder in den Gesammelten Schriften als ein doppelter Ordnungsbegriff. Er rubriziert erstens einige verstreute Texte Benjamins, die nicht so recht zuzuordnen sind und er markiert zweitens die Textgruppe der Veröffentlichung vom November 1933 (vgl. GS IV, 1, S. 428-433).

  • 3 Walter Benjamin, Gesammelte Schriften IV 1, hrsg. von Tillman Rexroth, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 19 (...)

5In den Anmerkungen des Herausgebers der Texte in den Gesammelten Schriften liest sich die Rubrizierung der „Denkbilder“ als eine Verlegenheit. Der Inhalt des Bandes sei „am ehesten negativ [zu] bestimmen“, weil die in diesem Band enthaltenen Texte „die traditionellen Grenzen zwischen philosophischer, wissenschaftlicher, künstlerischer und journalistischer Produktion nicht respektierten“.3 Die Grenzüberschreitung, die Tillman Rexroth Benjamins Schreiben zuspricht, gelte vor allem für die „Benjamin eigentümliche Form der ‚Denkbilder‘“. Denkbilder passen also in kein Schema. Das, was Rexroth unter dem Stichwort ‚Denkbilder‘ versammelt, sind Texte, die sich eigentlich der Zusammenstellung von Gretel und Theodor Adorno verdanken. Sie entsprechen nicht einem Veröffentlichungszusammenhang, den Benjamin selbst vorgenommen hat. Gretel und Theodor Adorno hatten im Jahr 1955 Schriften Benjamins herausgegeben, in denen sie diese literarischen Texte Lesestücke nennen.

6Die Werkausgabe Werke und Nachlaß verzichtet hingegen auf eine Rubrizierung mit dem Stichwort Denkbilder. Im Band 14, der Texte über Städte, Berichte, Feuilletons versammelt, finden sich aus den unter der Überschrift Denkbilder in den Gesammelten Schriften verzeichneten Texten vor allem die Texte über Städte wie Neapel, Moskau, Paris, die Stadt im Spiegel, Marseille und San Gimignano, nicht jedoch die mit dem Städteindiz versehenen Texte übers Haschisch und auch nicht die Ibizenkische Folge. Als philologischer Ordnungsbegriff für das Schreiben Benjamins beschränkt sich der Begriff auf die speziell unter diesem Titel versammelten und veröffentlichten Texte und büßt damit freilich an Rubrizierungs- und Überzeugungskraft ein.

  • 4 Roger W. Müller Farguell, „Städtebilder, Reisebilder, Denkbilder“, in Burkhart Lindner, Thomas Küpp (...)
  • 5 Gerhard Richter, Thought-Images: Frankfurt School Writers’ Reflections from Damaged Life, Stanford, (...)
  • 6 Müller Farguell, „Städtebilder, Reisebilder, Denkbilder“, S. 639.
  • 7 In ideengeschichtlicher Hinsicht charakterisiert Marion Picker das Denkbild als ein „Schwellenphäno (...)

7Die Forschung hat jedenfalls das Wort Denkbild dankbar aufgegriffen. Roger W. Müller Farguell beginnt seinen Artikel über „Städtebilder, Reisebilder, Denkbilder“ im Benjamin-Handbuch mit einer Definition: „Die Denkbilder Walter Benjamins sind allegorische Konstruktionen, die bildliches mit begrifflichem Denken kombinieren. Ihr Merkmal ist die dialektische Konstellation, worin sich darstellende Metaphorik und Erkenntnis verschränken.“4 Die Kombinatorik von Begriff und Bild spielt eine entscheidende Rolle. Das Denken animiert das Bild durch eine Konstruktionsleistung, die einerseits auf Übertragung beruht und andererseits eine dialektische Beziehung zu ihrem dargestellten Gegenstand unterhält. „The Denkbild”, schreibt Gerhard Richter beispielsweise, „is thus inseparable from the aesthetic dimension of conceptual thought“.5 Damit ist klar, dass Denkbild „keinen spezifischen Status im Zusammenhang seiner Theorie dieses Genres“6 annehmen kann, wie Roger W. Müller Farguell im Walter-Benjamin Handbuch schreibt, weil die Kombinatorik von Denken und Bild bzw. Ausdruck zu viele Möglichkeiten offen lässt bzw. erst eröffnet und daher keine spezifischen Konstruktionsregeln vorschreibt, ja eine solche Spezifik gerade durchstreicht.7

  • 8 Theodor W. Adorno, „Benjamins Einbahnstraße“, in Ders., Noten zur Literatur. Gesammelte Schriften 1 (...)
  • 9 Vgl. Heinz J. Drügh, Anders-Rede. Zur Struktur und historischen Systematik des Allegorischen, Freib (...)

8Zuerst hat jedoch Theodor Adorno den Begriff des Denkbilds als Beschreibung für eine Schreibweise Benjamins gebraucht. In einem Text über Benjamins Einbahnstraße beschreibt er das Denkbild als ein Verfahren, das darstellt, „was nicht im üblichen Stil sich beweisen läßt und doch bezwingt“, das „Spontaneität und Energie des Gedankens ansporn[t] […] ohne buchstäblich genommen zu werden“.8 Die beiden Verneinungen drücken Elemente eines allegorischen Verfahrens aus, das ja im Grunde nichts anderes als Anders-Rede9 bedeutet: anders als im üblichen Stil verfasst und nicht buchstäblich zu verstehen. Gleichzeitig betonen die beiden Verben ‚bezwingen‘ und ‚anspornen‘ den performativen bzw. Wirk-Charakter des Ausgesagten.

  • 10 Burkhardt Lindner, „Allegorie als literarische Form und Denkbildfigur“, in Ders., Studien zu Benjam (...)
  • 11 Tillman Rexroth, „Anmerkungen des Herausgebers“, in GS IV, S. 883.
  • 12 Detlev Schöttker, „Nachwort“, in Walter Benjamin, Einbahnstraße WuN 8, hrsg. von Detlev Schöttker u (...)

9Adorno reformuliert daher schlicht einen allegorischen Zug von Benjamins Schreiben, den die Forschung eingehend untersucht hat. Vor allem Burkhardt Lindner hat die „Allegorie als literarische Form und Denkbildfigur“ aufgearbeitet. Geht es allerdings um eine Einordnung in philosophische Traditionslinien, die mit der Verortung einer Schreibweise einhergehen, so versteht Lindner Benjamins Denkbilder als erneuerte Embleme. „Seine Denkbilder erneuern die Form des Emblems als philosophischen Text, indem sie dessen rahmenhafte Abgeschlossenheit vom Optischen aufs Sprachliche übertragen.“10 Eine solche rahmenhafte Abgeschlossenheit unterhält auch Beziehungen zum aphoristischen Schreiben, was bereits Rexroth in seinen Anmerkungen in den Gesammelten Schriften betont, wo er die Denkbilder in den Horizont von „Übertragung, Aphorismus, Kommentar“ stellt und als Spezifika von Benjamins Denken benennt.11 Denn auch der Aphorismus ist eine abgeschlossene Spracheinheit, die über ihren konzisen Charakter Offenheit generiert. Auch dieser Zug von Benjamins Schreiben ist in der Forschung hinlänglich dargestellt worden. Vor allem Detlev Schöttker hat in seiner Edition der Einbahnstraße in der Werkausgabe Werke und Nachlaß darauf hingewiesen, wie sehr sich das aphoristische Schreiben durch Benjamins Schaffen zieht: von seiner Dissertation über den Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik bis hin zu seiner Passagen-Arbeit schreibe Benjamin kurze Stücke, die um einen Kerngedanken kreisen, und untereinander verknüpfungsfähig sind. Schöttker spricht daher vom „Verfahren einer Zusammenführung kurzer, vielfach aphoristisch geprägter Texte und Zitate zu Kapiteln mit thematischen Überschriften“.12 Die gleichzeitige Abgeschlossenheit und Offenheit bzw. Verknüpfungsfähigkeit der Texte Benjamins lässt sich in ihrer Reihenbildung und Wiederaufnehmbarkeit erkennen. Vor diesem Hintergrund erscheint auch die Entscheidung der Herausgeber der Gesammelten Schriften „Denkbilder“ als Rubriktitel zu verwenden in einem anderen Licht.

10Sowohl Adorno als auch Schöttker nehmen dabei die Einbahnstraße als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen zum Denkbild, das als Name für eine Schreibweise also Beziehungen zur Allegorie (Adorno), dem Aphorismus (Schöttker) und dem Emblem (Lindner) unterhält. Gemeinsam ist allen Reformulierungen oder Benennungen von Benjamins Schreibverfahren, dass sie auf Übertragung setzen.

  • 13 Der morphologisch-linguistische Kopf der beiden Komposita ‚Augenweide‘ und ‚Ohrenschmaus‘ entstammt (...)

11Aber welche epistemologische Rolle spielt das Denkbild für Benjamins Sprechen im Rundfunk (bzw. die Rundfunktyposkripte, die uns hier interessieren), wenn der Begriff Denkbild in Benjamins eigenem Schreiben eben nur als Überschrift zu den Texten auftaucht, die in der Frankfurter Zeitung im November 1933 erschienen sind? Während Lindner die Übertragung vom Optischen aufs Sprachliche als Bewegungsprinzip ausmacht, möchte ich im Folgenden unter dem Stichwort Denkbild die Übertragung vom Akustischen aufs Visuelle in den Mittelpunkt meiner Überlegungen stellen und unter diesem medialen Vorzeichen Benjamins Rundfunktyposkripte über Berlin ins Zentrum meiner Überlegungen stellen. Die mediale Zwischenstufe des Typoskripts produziert über die Performanz des Hörens immer wieder Bilder. Oder mit Benjamins Rundfunksprache gesprochen: der „Ohrenschmaus“ führt zur „Augenweide“ (S. 190). Die Verflechtung der beiden Primärsinne markiert dabei eine Synästhesie, die Sehen und Hören im Geschmackssinn zusammenführt.13

Stadtbild: Chronotopos Berlin

  • 14 Thomas Hauschild, „Kultureller Relativismus und anthropologische Nationen. Der Fall der deutschen V (...)

12Benjamins insgesamt zwölf Vorträge über Berlin, die er zwischen 1929 und 1930 im Radio hielt, widmen sich dem Berliner Dialekt, dem Straßenhandel bzw. dem Marktgeschehen, dem Puppentheater und dem dämonischen Berlin, Berliner Originalen, dem Berliner Umland, der Warenkultur sowie der Architektur und der Industriekultur. Der Ethnologe Thomas Hauschild hat Walter Benjamin deshalb völlig zurecht einen „Ethnograph[en] der Berliner Kultur“14 genannt.

  • 15 Lindner, „Allegorie als literarische Form und Denkbildfigur“, S. 167.

13Das Stadtbild Berlin wird in Benjamins Rundfunktexten medial verfertigt. Das Konstruktionsprinzip beruht dabei auf der Denkbildfigur, die erstens Hören und Sehen zusammensetzt und dergestalt aus Berliner Tönen Berliner Bilder formt. Zweitens durch Reihenbildung, die dem Rezeptionseindruck ‚Bild‘ eine Offenheit verleiht. Noch einmal Lindner: „Jedes Denkbild ist ein Unikat, das mit anderen zu Sammlungen zusammengefügt wird, aber Selbständigkeit und Rahmung behält.“15 Auf diese Weise wird das Hörpublikum doppelt in die mediale Verfertigung einbezogen: durch das Übertragen vom Hören aufs Sehen und durch das Konstellieren.

14Mit dem ersten Vortrag der Reihe über die „berliner Schnauze“ (S. 179) setzt Benjamin den Ton für das Charakteristikum von Berlin bzw. der Berliner und führt seinen Gegenstand prominent über das Hören ein: erlebtes und erinnertes. Das auditive Element der ‚Berliner Schnauze‘ figuriert und vermittelt damit die ersten Sinneseindrücke des Stadtbildes. Dieses Hörbild von Berlin und dem Berlinerischen bezieht Benjamin direkt auf die komplexen Erfahrungen der Moderne. „Das Berlinische ist [heute] einer der schönsten und genauesten Ausdrücke von diesem rasenden Lebenstempo“ (S. 182). Dichte und Beschleunigung spielen in den Vorträgen immer wieder eine zentrale Rolle und spiegeln sich im Ton des Gesagten, den Benjamin als Funktion der Zeitknappheit beschreibt.

Das Berlinisch ist eine Sprache von Leuten, die keine Zeit haben, die sich oft mit einer ganz kurzen Andeutung, einem Blick, einem halben Wort verständigen müssen. Das können nicht Leute, die sich gelegentlich dann und wann in Gesellschaft treffen, sondern nur welche, die sich regelmässig, tagtäglich, unter ganz bestimmten [unveränderten] Bedingungen sehen. Unter solchen Leuten entstehen immer besondere Sprachen, und Ihr selber habt in der Klasse das beste Beispiel dafür. (S. 182)

15Erst die Dichte der Beziehungen formiert eine solche Sprache, wie es das Berlinerische des Benjamin‘schen Rundfunkvortrags ist. Der handschriftliche Zusatz von „unverändert[]“ im Typoskript (vgl. WuN 9,2 S. 134) unterstreicht die soziale Formierungsbedingung dieser Sprache. Anschließend an diese Analyse gibt Benjamin zwei kontrastive Beispiele für das Berlinerische aus der Literatur an und liest aus einem Buch von Hans Ostwald (vgl. WuN 9,2 S. 134) und aus Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin vor. Der Kontrast dieser beiden literarischen Beispiele dient dazu, zu unterstreichen, dass „die Sprache einer Grosstadt[sic] […] sich noch viel schneller [ändert] als die Sprache in ländlichen Gegenden“ (S. 183). Nachdem Benjamin noch einige weitere Alltagsbeispiele und Anekdoten für und über die Berliner Schnauze direkt wiedergibt, verweist er zum Abschluss des Vortrags sein Hörpublikum auf die eigene Erfahrung und die eigene Gegenwart.

Ein andermal, wenn Ihr wollt, kommt noch mehr Berlinisch. Aber Ihr habt gar nicht nötig darauf zu warten. Wer von Euch die Augen und Ohren aufmacht, wenn er durch Berlin geht, kann viel mehr schöne Geschichten zusammenbringen als er heute im Radio gehört hat. (S. 185)

16In jedem seiner Vorträge verweist Benjamin auf die eigene Gegenwart seiner Zuhörenden und spiegelt dadurch deren Erfahrung im Radiovortrag. Dieses Verfahren geht einher mit einer ständigen Thematisierung der vergehenden Zeit des Vortrags. Die Knappheit der Zeit – für einen Vortrag waren in der Regel zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Minuten vorgesehen – durchzieht alle seine Berlinvorträge und bildet einen eigenen Topos. Dieser verbindet sich thematisch mit der Schnelllebigkeit der Metropole Berlin, aber Benjamin verwendet ihn immer wieder, um Digressionen einzuführen. Die Thematisierung der „Berlinstunde des Rundfunks“ (S. 223) und die Besinnung auf die Stadt Berlin als Fluchtpunkt dient Benjamin hingegen dazu, von einer Abschweifung auf das Hauptthema zurückzukommen. Die beiden sich ausgleichenden Fliehkräfte sind also Digression sowie thematische Konzentration auf die Metropole Berlin: beides unter dem Stichwort Knappheit der Zeit. Die Mahnung, es nicht allzu weit zu treiben mit der Abschweifung, legt Benjamin manchmal auch seinem Publikum in den Mund: „Ja, werdet Ihr nun vielleicht sagen, aber was hat denn das mit Berlin zu tun?“ (S. 232). Der Topos von der Knappheit der Zeit erlaubt ihm eine spezifische mediale Gegenwart des Rundfunkvortrags zu kreieren und diese geballte Zeit in der Erfahrungswirklichkeit seines Hörpublikums zu spiegeln.

17Am weitesten treibt Benjamin den Topos im Vortrag Ein Berliner Strassenjunge. Dort verwandelt sich die Knappheit der Sendezeit zu einer Allegorie, die das handwerkliche Gestaltungsprinzip der Intarsie als Bauprinzip des Vortragens zum Vorschein bringt.

Ich glaube, wenn Ihr nachdenkt, werdet Ihr Euch erinnern schon manchmal Schränke gesehen zu haben, die auf ihren Türen bunte Darstellungen […] in eingelegter Holzarbeit trugen. Intarsien nennt man solche Arbeiten. Solche eingelegten Bilder und Szenen will ich Euch nun heute einmal nicht an einem Schrank, sondern in der Rede vorführen. (S. 213)

18Die Intarsien der Rede verknüpft Benjamin mit der Erzählung über den Berliner Straßenjungen Ludwig Rellstab. Diesen charakterisiert er als einen glücklichen Fall, in dem „ein Kind so harmonisch und glücklich mit einer Grosstadt[sic] zusammenwächst“ (S. 214). Die Intarsien geben als Bauprinzip des Vortrags somit die Geschichte eines Individuums wieder, das mit der Stadt Berlin erst ein Ganzes bildet. Das Zusammenwachsen und das Intarsienmachen werden so ineinander übersetzt und dienen Benjamin dazu, die Erinnerungen Rellstabs in seinen eigenen Vortragstext zu verweben. Die Intarsien der Rede benennen zugleich die narrative Struktur der Verdopplung von Erzählinstanzen, ein Prinzip, auf das Benjamin in den Vorträgen oft setzt. Im Fall des Vortrags über den Straßenjungen Rellstab sind es einmal dieser selbst, der mit seiner „Lebensbeschreibung“ (S. 213) selbst zu Wort kommt und Franz Hessel. Beide eingelagerten Erzählungen oder besser Beschreibungen behandeln den Berliner Tiergarten. Rellstabs Erzählung führt Benjamin folgendermaßen ein: „Und nun mitten hinein in diese Kindergeschichte“ (S. 214). Gegen Ende des Vortrags wird die Verdopplung der Erzählinstanzen noch deutlicher: „Nun ist es schon spät und der Rellstab meldet sich wieder, weil er noch ein paar Lausbubenstreiche erzählen will“ (S. 219) woraufhin Benjamin aus dessen Buch eine weitere Passage über Berlin vorliest.

19Das Zusammenspiel von natürlichem Wachsen und handwerklichem Zusammensetzen durch das Verfahren der Analogie und der Allegorie weitet Benjamin im Vortrag über Rellstab auf die Stadtarchitektur Berlins aus. Übertragen wird hier das „Schicksal“, das eigentlich eine Zuschreibungskategorie für Menschen darstellt, vom Straßenjungen auf ein architektonisches Element Berlins. Die Rede ist von der Corneliusbrücke, die durch die Stadtentwicklung Berlins eine Funktionsveränderung erfahren hat. Diese nennt er „ein Brückenschicksal so merkwürdig, wie manches Schicksal von Menschen“ (S. 216). Die Brücke hat durch die Entwicklung Berlins zwar ihr „fast ländliche[s] Aussehen bewahrt“ (S. 216) ihre Funktion hat sich aber von einem der „unbegangensten, abgelegensten“ Verkehrswege zu einem Nadelöhr gewandelt, durch das sich „der ganze Autoverkehr von der City in den Westen ergiesst“ (S. 216). Die Darstellung der Rede und die Reflexion darauf wirken hier zurück auf die Präsentation des Gegenstands, nämlich Berlin und seine Stadtentwicklung.

20Am Ende seines Vortrags führt Benjamin seine Redeintarsien wieder auf die Bildhaftigkeit zurück, die ja der Redeorganisation von Anfang an ihr Prinzip mitgegeben hatten. Er verspricht zum Schluss nämlich „noch eine besondere Einlage“ (S. 220), die von Berlinbildern erzählt, die als Labyrinthe gemalt worden sind und „in denen Ihr lange mit den Augen spazieren könnt“ (S. 220). Dieses Wandern mit den Augen führt Benjamin unmittelbar auf die Redesituation zurück und er beendet seinen Vortrag, indem er gezeichnetes Stadtbild und reale Umwelt zusammenprallen lässt, indem er sein Hörpublikum in einer Buchhandlung imaginiert und es auffordert sich dort umzusehen.

Wenn Ihr dann zwischen den Stadtbildern, Landkarten und Plänen, die Ihr dort findet einen Blick zum Fenster hinauswerft, so habt Ihr gerade wieder den Tiergarten vor Euch und damit sind wir selber heute ganz labyrinthisch herumspaziert und kommen, ehe wirs uns versahen da an, wo wir vor 25 Minuten begonnen haben. (S. 220)

21So verbinden sich Sendezeit, evozierte Erfahrung und Verweis auf eigene erlebte Erfahrung miteinander. Das topische Thematisieren der Sendezeit in den Vorträgen verbindet hier die Thematik des Vortrags mit seinem Konstruktionsprinzip. Das Herumspazieren vollzieht sich doppelt, die der vergegenwärtigten Erinnerung an Erlebtes in der evozierten Erfahrung des Hörens.

22Die konkrete Anschauung entsteht also immer in der Verflechtung von Erlebtem und Gehörtem und dadurch Bebildertem. Zusätzlich entsteht jedoch das Stadtbild Berlin durch die Reihenbildung dieser dergestalt evozierten Bilder, die Benjamin am Beginn seines Vortragsüber das Maschinenbau-Unternehmen Borsig rekapituliert. „Wir haben nun schon eine ganze Menge von Berlin erlebt;“ so beginnt er diesen Vortrag und zählt auf was alles Gegenstand seiner letzten Vorträge war:

Wir haben uns um Marktwesen und um Strassenhandel, um den Verkehr, um die alten Berliner Schulen, um das unheimliche Berlin vor hundert Jahren, um den Berliner Dialekt, sogar ein wenig um die Baugeschichte Berlins gekümmert, von unserer grossen Spielzeugwanderung gar nicht zu reden, und dabei sind wir doch eigentlich um eine Hauptsache nur immer behutsam herumgestrichen: um das nämlich, wodurch Berlin schliesslich so wichtig geworden ist, wodurch es mit der Zeit seine drei Millionen Einwohner sich zugelegt hat, unter denen auch wir sind, kurz und gut über das, dem wir’s [vielleicht selber] verdanken, dass wir hier als Berliner miteinander Bekanntschaft machen. (S. 237)

23Der Beginn des Borsig-Vortrags stellt über seinen (Rede)Gegenstand, nämlich die Voraussetzungen wie Berlin zur Metropole wurde, eine gemeinsame Gegenwart her. Diese gemeinsame Gegenwart wird in diesem Vortrag als ein Chronotopos figuriert. Das Ortsadverb „hier“ bezieht sich sowohl auf Berlin als auch auf den Rundfunkvortrag und verbindet die Großstadt mit medialer Gegenwartserfahrung. Dieses „hier“ weitet Benjamin im Laufe seines Vortrags aus, indem er seinem Publikum, die in den Mund gelegten Frage „Was ist Borsig?“ (S. 237) dahingehend beantwortet, dass er seinen Zuhörenden den Weg zu dieser Firma schildert und dabei auf bekannte geographische Anhaltspunkte Berlins eingeht. Diese Anhaltspunkte verflicht Benjamin mit seiner Sendezeit.

Erstens Mal, wenn Ihr etwa mit der Schule mal einen Ausflug nach Tegel gemacht habt, hat Euch der Lehrer bestimmt die Villa von der Familie Humboldt gezeigt. Ich meine die beiden Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt, die auf den Pfeilern vor der Universität sitzen, als wenn sie noch immer nicht ausstudiert hätten, oder am Ende Kolleg schwänzen. Der eine von diesen beiden Humboldts wird uns nachher, genau nach siebzehn Minuten noch einmal vorkommen. (S. 237 f.)

24Die siebzehn verbleibenden Minuten passt Benjamin an den zurückzulegenden Weg an, der zur Firma Borsig und durch die dortigen Produktionsstätten führt. Bei der Beschreibung der Produktionsabläufe der Firma benutzt er Fachbegriffe im Übermaß. Er setzt sein Hörpublikum bewusst hyperbolisch der industriellen Terminologie aus um einen Überforderungseffekt zu erzielen. Diese Hörerfahrung seines Publikums nimmt er wiederum vorweg und bringt sie als Überforderung der Sprache zur Sprache.

Da steht Ihr natürlich mit offenem Mund da und seht was das heisst: Deutsch können. Ihr könnt ruhig überzeugt sein, dass Ihr mindestens dreiviertel der wichtigsten Worte, die hier jahraus, jahrein, von früh bis spät gebraucht werden, nie im Leben gehört habt, und dass Ihr Euch nicht das mindeste drunter vorstellen könnt. (S. 239)

25An dieser Stelle zeigt Benjamin die Bruchstellen auf, die das mediale Verfahren, am Mikrophon Bilder zu erzeugen, aufweist. In der medialen Übertragung vom Hören zum Sehen kann die Konstruktionsleistung durch Überforderung leicht zusammenbrechen. Dies demonstriert er anhand der industriellen Terminologie. Ex negativo über das Scheitern weist Benjamin auf den intrikaten Zusammenhang zwischen Hören und Bilderzeugung hin. Dass er dies über die Erwähnung des Sprachcodes „Deutsch können“ laufen lässt, rückt die Berlin-Vorträge ins Exemplarische. Sie weisen auf ihre eigene mediale Verfasstheit hin, die auf ihr Leistungsprofil als bildgebend untersucht werden. Vor diesem Hintergrund sind auch die Zeithinweise zu verstehen, die Benjamin in den Vortrag einbaut und hier die Züge eines Chronotopos annehmen, der über den Namen Humboldt läuft. Dieser hegt einerseits die Verlorenheit ein und sichert andererseits die räumliche Verankerung ab, die Stadtbild eben als Denkbildfigur konfiguriert. Ganz folgerichtig endet der Vortrag mit der Verbindung von Borsig und Humboldt.

26„Heute ist aber Schluss, und nun schulde ich Euch nur noch den Alexander von Humboldt, den ich Euch vor siebzehn Minuten versprochen habe.“ Der Gründer von Borsig hatte „Treibhäuser angelegt“, deren „fremde, exotische Pflanzen“ Humboldt „dort studiert und bewundert“ hat (S. 244). Industrie und Natur finden so im Stadtbild zusammen, Machen und Wachsen werden künstlich ununterscheidbar gemacht.

Zeitbild/ Hörbild: Mediale Verfertigung

27Die Sprache, also der Sprachcode selbst, vermittelt zwischen Hören und Sehen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart; kurz der speziellen Gegenwart des Rundfunkvortrags. Der Vortrag Strassenhandel und Markt in Alt- und Neuberlin macht ebenso wie Ein Berliner Strassenjunge diese Verbindung besonders deutlich. Die Berlin-Vorträge für Kinder weisen in dieser Verbindungsleistung von Erinnerung und Verfertigung von Gegenwart auf die Stücke der Berliner Kindheit voraus. Der gemeinsame „Entstehungszusammenhang“ zeige sich „exemplarisch“ (WuN 9,2 S. 194) am Vortrag über den Berliner Straßenjungen Rellstab, so die Herausgebenden der Rundfunkarbeiten. Ein engerer Zusammenhang besteht meiner Ansicht nach jedoch zwischen dem Vortrag Strassenhandel und Markt in Alt- und Neuberlin und dem Stück Markthalle aus der Berliner Kindheit.

28Im Berlin-Vortrag über Strassenhandel und Markt bezieht sich Benjamin zurück auf den „Dialekt von Berlin“ (S. 186), der Gegenstand seines ersten Vortrags war, und stellt fest, dass das Marktgespräch die beste Gelegenheit sei, um das Berlinerische zu „erlauschen“ und „in seiner Entwicklung, Bewegung, [zu] erfassen“ (S. 186). Der Vortrag stellt also aufs Hören ab und macht daraus ein Erfassen, das eigenen Regeln folgt. Diese eigenen Regeln sind (syn)-ästhetische, die für meine Argumentation titelgebend sind, und bemessen sich eben an der Einheit von Auge und Ohr als medialem Dispositiv von Produktion und Rezeption.

Dafür haben wir ein andre<s> Schauspiel, das es an Seltsamkeit und Schönheit [als Augenweide] gewiss mit dem Ohrenschmaus des alten Berliner Wochenmarktes aufnehmen kann: die Markthallen. (S. 190)

  • 16 Vgl. die Anmerkung der Herausgebenden in WuN 9,2 S. 152.
  • 17 In einem Brief vom 28.2.1932 an Gershom Scholem schreibt Benjamin, dass er es immer besser verstehe (...)

29Benjamin hat die Formulierung „an Seltsamkeit und Schönheit“ mit Bleistift gestrichen und die „Augenweide“ im Typoskript direkt darüber gesetzt.16 Der Ohrenschmaus kam also im Prozess des Schreibens bzw. des Diktierens17 vor der Augenweide und man darf annehmen, dass Benjamin in der Relektüre des Typoskripts der auditiven Produktionsseite die visuelle Rezeptionsseite symmetrisch an die Seite stellte.

  • 18 Vgl. Walter Benjamin, WuN 11,1 S. 23.
  • 19 Vgl. Benjamin, WuN 11,1 S. 108 (Felizitas-Exemplar), S. 291 (Stefan-Exemplar), S. 449 (Berliner Typ (...)

30Hier lässt sich unschwer erkennen, wie der Komplex über den Berliner Dialekt und den Ort Markthalle Pate stand für das Stück Markthalle in der Berliner Kindheit. Der Kommentar des Rundfunktextes verweist selbstverständlich explizit auf „die korrespondierende Stelle“ in der Berliner Chronik18 und der Berliner Kindheit19 hin (vgl. WuN 9,2 S. 152), in denen das entscheidende Thema die sprachliche Fassung und Prägung, ja Präfiguration des/eines (realen) Ortes in der Erinnerung ist. Für dieses Vorgehen steht paradigmatisch die Doppeleinheit Augenweide und Ohrenschmaus. Der Text Markthalle Magdeburger Platz bzw. Markthalle, der von dem frühesten Entwurf in der Berliner Chronik über den Druck 1933 in der Frankfurter Zeitung bis hin zum späten Pariser Typoskript von 1938 in seinen Eingangssätzen kaum verändert wurde, beginnt mit einer Inszenierung des (Ver)Hörens.

  • 20 Benjamin, WuN 11,1 S. 578.

Vor allem denke man nicht, daß es Markt-Halle hieß. Nein, man sprach „Mark-Thalle“, und wie diese beiden Wörter in der Gewohnheit des Sprechens verschliffen waren, daß keines seinen ursprünglichen Sinn beibehielt, so waren in der Gewohnheit meines Gangs durch diese Halle verschliffen alle Bilder, welche sie gewährte, so daß ihrer keines sich dem ursprünglichen Begriff von Einkauf und Verkauf darbot.20

  • 21 Drügh, Anders-Rede, S. 8.
  • 22 Benjamin, WuN 11,1 S. 578.

31Die mediale Sprach- bzw. Hörreflexion deaktiviert die ursprüngliche ökonomische Logik, die dem Ort Markthalle eignet. Dass diese Beobachtung ausgerechnet am Beispiel einer Markthalle erfolgt, schreibt dem Markt seine eigene Autoallegorisierung ein. Die wörtliche Übersetzung des Namens Allegorie bedeutet nämlich „anders als auf dem Marktplatz reden“ wie Heinz Drügh bemerkt.21 Zwar verschleifen sich stabile Zuschreibungen und ursprüngliche Sinngebung, aber diese Dynamik wird durch die „Gewohnheit“ des Ortes (Markt und Berlin) hervorgebracht, die Sprechen und Wahrnehmen parallelisiert. Dieses Verschleifen verdankt sich der latenten Synästhesie, die den Übergang vom Hören zum Sehen so einfach erscheinen lässt. So legt sich der Geschmackssinn bzw. die Sensorik des Essens als Metapher des Sprechens über oder vielmehr unter den „ursprünglichen Begriff von Einkauf und Verkauf“.22

  • 23 Vgl. Burkhardt Lindner, Nadine Werner, „Entstehungs- und Publikationsgeschichte“, WuN 11,2 S. 11.
  • 24 Lindner, Werner, „Entstehungs- und Publikationsgeschichte“, WuN 11,2 S. 8.
  • 25 Ibid., S. 10.

32Dieses allegorische Deaktivierungspotenzial über die sinnliche Imprägnierung der Rede erwirtschaftet Benjamin zuerst am Radiomikrophon. Das Stück Markthalle erscheint am 2. März 1933 in der Frankfurter Zeitung im Druck, während die Fassung der Berliner Chronik auf Anfang des Jahres 1932 datiert wird.23 Burkhardt Lindner und Nadine Werner halten in ihrem Kommentar zum Konvolut der Texte zur Berliner Kindheit allerdings auch fest, dass „die inhaltliche Verschränkung verschiedener Projekte im Zeitraum zwischen 1928 und 1932“ charakteristisch für Benjamins Arbeitsweise sei.24 Dieser Zeitraum deckt im Wesentlichen Benjamins Arbeit für den Rundfunk ab. Lindner und Werner stellen zudem fest, dass das Thema Kindheit Benjamin eben nicht nur in den Texten beschäftigt, die man zur Berliner Kindheit rechnet, „sondern auch in seinen Rundfunkarbeiten für Kinder“.25

33Sprachreflexion, die übers Hören funktioniert, und die mediale Verfertigung von Bildern im Rahmen der knappen Sendezeit am Radiomikrophon verschränken sich am deutlichsten in Benjamins letztem Vortrag seiner Reihe über Berlin, Besuch im Messingwerk. Dieser Vortrag entwickelt die Überlegungen weiter, die er in Borsig angestellt hat und spielt die Art des medialen Übertragens an seinem Gegenstand, dem Messingwerk, am prägnantesten aus.

34Benjamin verknüpft in diesem Vortrag die Dauer seiner Sendezeit mit einer Reflexion auf den medialen Status des Ausgesagten und seiner perlokutionären Kraft. So beginnt er den Vortrag Besuch im Messingwerk mit einer Thematisierung des Gegenstands ‚Messingwerk‘ und stellt zur Disposition, inwiefern sich das Thema überhaupt fürs Sprechen am Rundfunkmikrophon eignet.

Ich könnte mir denken, dass jemand, wenn er so etwas hört „Besuch im Messingwerk“ – dass er dann denkt: Na ja, das ist wieder mal so eine törichte Sache. So was muss man sehen, man kann es doch gar nicht beschreiben. Wenn er aber nicht schon vor ein paar Sekunden seinen Apparat abgestellt hat, dann bitte ich ihn doch freundlichst, nun noch einige Augenblicke draufzugeben, denn gerade mit ihm will ich mich unterhalten. (S. 262)

35Die (gemeinsame) Sendezeit ist also der Vorschuss auf das Versprechen an die Hörenden, ein Bild bzw. eine Anschauung vermittelt zu bekommen. Dabei konstruiert Benjamin sein Hörpublikum als Skeptiker:innen, denen er eine Probe aufs Exempel schuldig ist. Auf dieser Grundlage entspinnt sich im Vortrag anhand der Beschreibung des Werkes eine latente Theorie des medialen Verfertigens von Bildern.

36Den Vortrag durchzieht immer wieder die Thematisierung des Sehens bzw. die Unmöglichkeit des Sehens, sofern man damit die Ganzheit einer Anschauung versteht. Dabei spielen Nähe und Distanz eine entscheidende Rolle und die vergehende Zeit der Sendung läuft immer als Taktgeberin mit. Das Thematisieren der vergehenden Zeit dient nämlich dazu, immer wieder rückzuversichern, welche Anschaulichkeit bereits abgegolten und gewährleistet ist.

Und wir wollen unsere paar Minuten im Rundfunk hier wie die Gondel von einem Fesselballon ansehen, aus der wir auf das ganze Getriebe da unten im Messingwerk Hirsch-Kupfer heruntersehen und uns die Punkte herausgreifen, die man mit dem Verstande zuerst besetzen muss, um von ihnen aus das Ganze in die Gewalt zu bekommen. (S. 263)

37Trotz des Vergleichs der Sendezeit mit einer Ballonfahrt, um nicht zu sagen der Allegorie Ballonfahrt als zeitliche Einheit des Vortrags, die gewissermaßen eine Landvermessung des Fabrikgeschehens durchführt, vergeudet Benjamin wertvolle Zeit damit, umständlich zu erklären was Messing ist, wie und auf welchen physikalischen Grundlagen es entsteht. Unter der Hand wird so der Gang durchs Messingwerk zur Allegorie der Verfertigung des Vortrags, der anhand der Produktionsmechanismen, die Benjamin aufzählt und beschreibt, gespiegelt wird. Die Produkte, die im Messingwerk entstehen, sind nämlich sogenannte „Halbfabrikate“:

Man macht hier die Halbfabrikate: Bleche, Bänder, Rohre, Stangen, Drähte in den allerverschiedensten Längen, Beschaffenheit, Formaten, die dann von anderen Metallwarenfabriken oder elektrotechnischen Unternehmungen weiterverarbeitet werden. (S. 264)

  • 26 Hans Blumenberg, Paradigmen zu einer Metaphorologie, Kommentar von Anselm Haverkamp unter Mitarbeit (...)

38Benjamin setzt auf die Allegorie, die die Bildlichkeit des Gegenstandes ersetzt. Sein Vorgehen kann damit selbst als mediales Halbfabrikat bzw. Halbzeug gelten, das auf Weiterverarbeitung angewiesen ist. Aus diesem allegorischen Sprachangebot muss das Hörpublikum eigene mentale Bilder anfertigen. Mit „Halbzeug“26 beschreibt der Philosoph Hans Blumenberg sein metaphorologisches Vorgehen, über das Anselm Haverkamp bemerkt:

  • 27 Anselm Haverkamp, Metapher – Mythos – Halbzeug. Metaphorologie nach Blumenberg, Berlin/ Boston, De  (...)

Die Metapher des von Blumenberg aus Sein und Zeit (§ 15) geborgten, von Rüdiger Campe ans Licht gehobenen ‚Halbzeugs‘ betrifft nicht nur die Rohlinge der analytischen Bearbeitung vor ihrer Ausfeilung, nicht allein den vorbegrifflichen Status der Aussagen, sondern die Zeit der Ausarbeitung, Latenzzeit. Sie zeigt hier einmal mehr: nichts ist auf einen Streich zu erledigen.27

39Dass nichts auf einen Streich zu erledigen ist, führt Benjamin seinem Hörpublikum in der Art der Thematisierung seiner Gegenstände und anhand seiner Taktung der Sendezeit stets aufs Neue vor. Seine Beschreibungen stellen insofern selbst ein Halbfabrikat dar, weil sie im Hören die Voraussetzungen für die Verbildlichung darstellen und die bildliche Weiterverarbeitung dem Hörpublikum überantworten. Benjamin vollzieht am Radiomikrophon also ein ganz bewusstes mediales Sprachhandeln.

  • 28 Ibid., S. 53.

Auch ohne die gewußte Perfektion ist dem begrifflichen Rohling eine Pragmatik des Erkennens eingeschrieben, auf die der metaphorische Gebrauch effektiv zu- und vor-greift. Die Metapher des Halbzeugs ist ein Indikator für das, was der Paradigmabegriff bei aller Lückenhaftigkeit für die Metaphorologie leisten können sollte: die Modi eines theoretischen Gebrauchs erfassen, deren Standard nicht erst der wahrheitsgerechte Begriff sein kann; sie sind Zustände von ‚Unbegrifflichkeit‘ wird der spätere Vorschlag lauten. Wichtiger ist an dieser Stelle: das Halbzeug soll Modell des diesem Zustand eingezeichneten Standes der Technisierung sein. Als Metapher (nicht schon zu sagen Allegorie) des zum Status von Paradigmen geronnenen Standards zwischen Rohstoff und funktionsfähigem Erzeugnis macht das industrietechnische Halbzeug den erkenntnispragmatischen Grundzug einer jeden Metapher greifbar.28

40Benjamin ist sich der Reichweite und des kognitiven Leistungsprofils des Formats Vortrag am Radiomikrophon bewusst, dass er auch dessen Grenzen allegorisch formulieren kann, so dass sich das Publikum selbst als verfertigendes und aktives Element begreift. Damit spielt er den erkenntnispragmatischen Grundzug seiner Rundfunkvorträge medial voll aus. Er macht das a priori Halbfertige des Vortrags geradezu zu einer Grundbedingung der Möglichkeit für ein medial sich verfertigendes Bild. Nachdem er im Besuch im Messingwerk die Halbfabrikate erklärt hat, thematisiert er erneut die Situation des Hörens, die zu einem Bild führen soll.

Jetzt kommt es mir aber nur darauf an, dass Euch beim AnhörenUeberblick über die unzähligen Verzweigungen, Bedingungen, Schwierigkeiten eines solchen Riesenwerkes genau so der Atem ausgeht, als trätet Ihr unversehens in eine der tosenden Hallen. (S. 264)

41Benjamin hat hier tatsächlich zunächst den Hörsinn ansprechen wollen, diesen aber gestrichen und durch den Überblick korrigiert, der das Ziel einer erneuten Überforderung sozusagen perlokutionär konzipiert. Das Anhören, das die Produktionsseite bezeichnet, ersetzt Benjamin durch die als „Ueberblick“ gekennzeichnete Rezeptionsseite der medialen Konfiguration Radiovortrag, die gleichzeitig auf die Erfahrung des Hörens in der „tosenden Halle[]“ zurückverweist.

Fazit

42Augenweide und Ohrenschmaus sind im spezifischen Kontext der Radiosendung also zwei Seiten einer medialen Medaille. Der Rundfunkvortrag spielt diese Symmetrie von Produktion und Rezeption sowohl inhaltlich als Berliner Stadtbild als auch verfahrenstechnisch als mediale Verfertigung des Sprechens in der medialen Gegenwart des Rundfunksprechens aus. Das „Halbfabrikat“ stellt in diesem Kontext eine selbstreflexive Allegorie – oder eben ein Denkbild – des medialen Verfahrens dar. Denkbild und Stadtbild treffen sich im Format des Rundfunkvortrags, der seine mediale Zwischenstellung im doppelten Sinn pragmatisch versteht. Er richtet sich nach den situativen medialen Gegebenheiten und spielt diese offensiv in seiner Sprachverwendung und seinen Sprachhandlungen aus.

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Notes

1 Ich zitiere im Folgenden die Rundfunkvorträge über Berlin nach folgender Ausgabe unter Angabe der Seitennummer direkt im Text. Walter Benjamin, Rundfunkarbeiten, Werke und Nachlaß Bd. 9, hrsg. von Thomas Küpper und Anja Nowak, Berlin, Suhrkamp, 2017. Alle anderen Nachweise nach der kritischen Ausgabe Werke und Nachlaßwerden als WuN und der entsprechenden Bandnummer angegeben, die Gesammelten Schriften und Briefe Benjamins als GS und GB. Vgl. WuN 9,2: Berliner Dialekt 9.11.1929 oder 14.12.1929, S. 129; Strassenhandel und Markt in Alt- und in Neuberlin nicht datierbar („mehrere Monate nach der über den Berliner Dialekt“), S. 144; Wanderungen durch die Mark 23.11.1929, S. 159; Berliner Puppentheater 7.12.1929, S. 175; Das dämonische Berlin 25.02.1930, S. 185; Ein Berliner Strassenjunge 7.03.1930, S. 194; Berliner Spielzeugwanderung 15.03.1930, S. 208; Berliner Spielzeugwanderung II 22.03.1930, S. 215; Borsig 05.04.1930, S. 224; Die Mietskaserne evtl. 12.04.1930, S. 233; Theodor Hosemann 14.04.1930, S. 247; Besuch im Messingwerk vermutlich am 12.07.1931, S. 258, obwohl Benjamin selbst 11.07.1930 vermerkt, S. 259.

2 Vgl. Ilit Ferber, „Walter Benjamin and the Acoustics of Childhood“, Angelaki : journal of theoretical humanities 27-5, 2022, S. 37-55; Ilit Ferber, „‘In Voice Land‘: Benjamin on Air“, in Dennis Johanßen, Dominik Zechner (Hrsg.), Forces of Education: Walter Benjamin and the Politics of Pedagogy, London/ New York/ Oxford/ New Delhi/ Sydney, Bloomsbury, 2022, S. 143-156, Verfasser, „Langue croisée – Walter Benjamins Erinnerungsarbeit zwischen Hören und Sehen, Paris und Berlin“, Recherches germaniques HS 18, 2023, S. 149-170.

3 Walter Benjamin, Gesammelte Schriften IV 1, hrsg. von Tillman Rexroth, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1972, S. 883.

4 Roger W. Müller Farguell, „Städtebilder, Reisebilder, Denkbilder“, in Burkhart Lindner, Thomas Küpper, Timo Skrandies (Hrsg.), Walter Benjamin-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart/ Weimar, Metzler 2011, S. 626.

5 Gerhard Richter, Thought-Images: Frankfurt School Writers’ Reflections from Damaged Life, Stanford, University Press, 2007, S. 18.

6 Müller Farguell, „Städtebilder, Reisebilder, Denkbilder“, S. 639.

7 In ideengeschichtlicher Hinsicht charakterisiert Marion Picker das Denkbild als ein „Schwellenphänomen“, das „Spannungsverhältnisse“ zur Darstellung bringen kann. Marion Picker, „Denkbild“, in Andrea Allerkamp, Sarah Schmidt (Hrsg.), Handbuch Literatur & Philosophie, Berlin/ Boston, De Gruyter, 2021, S. 401-414, hier S. 401.

8 Theodor W. Adorno, „Benjamins Einbahnstraße“, in Ders., Noten zur Literatur. Gesammelte Schriften 11, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 1974, S. 681.

9 Vgl. Heinz J. Drügh, Anders-Rede. Zur Struktur und historischen Systematik des Allegorischen, Freiburg i.Br., Rombach, 2000.

10 Burkhardt Lindner, „Allegorie als literarische Form und Denkbildfigur“, in Ders., Studien zu Benjamin, hrsg. von Jessica Nitsche und Nadine Werner, Berlin, Kadmos, 2016, S. 133-173, hier S. 166.

11 Tillman Rexroth, „Anmerkungen des Herausgebers“, in GS IV, S. 883.

12 Detlev Schöttker, „Nachwort“, in Walter Benjamin, Einbahnstraße WuN 8, hrsg. von Detlev Schöttker unter Mitarbeit von Steffen Haug, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2009, S. 557.

13 Der morphologisch-linguistische Kopf der beiden Komposita ‚Augenweide‘ und ‚Ohrenschmaus‘ entstammt jeweils dem semantischen Bereich des Essens bzw. des Geschmacks.

14 Thomas Hauschild, „Kultureller Relativismus und anthropologische Nationen. Der Fall der deutschen Völkerkunde“, in Aleida Assmann, Ulrich Gaier, Gisela Trommsdorf (Hrsg.), Positionen der Kulturanthropologie, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2004, S. 121-147, hier S. 137.

15 Lindner, „Allegorie als literarische Form und Denkbildfigur“, S. 167.

16 Vgl. die Anmerkung der Herausgebenden in WuN 9,2 S. 152.

17 In einem Brief vom 28.2.1932 an Gershom Scholem schreibt Benjamin, dass er es immer besser verstehe, „Feder und Hand mir für die paar wichtigen Gegenstände zu reservieren und das laufende Zeug für Rundfunk und Zeitung in die Maschine quatsche.“ (GB IV, S. 77).

18 Vgl. Walter Benjamin, WuN 11,1 S. 23.

19 Vgl. Benjamin, WuN 11,1 S. 108 (Felizitas-Exemplar), S. 291 (Stefan-Exemplar), S. 449 (Berliner Typoskript), S. 520 (Pariser Typoskript).

20 Benjamin, WuN 11,1 S. 578.

21 Drügh, Anders-Rede, S. 8.

22 Benjamin, WuN 11,1 S. 578.

23 Vgl. Burkhardt Lindner, Nadine Werner, „Entstehungs- und Publikationsgeschichte“, WuN 11,2 S. 11.

24 Lindner, Werner, „Entstehungs- und Publikationsgeschichte“, WuN 11,2 S. 8.

25 Ibid., S. 10.

26 Hans Blumenberg, Paradigmen zu einer Metaphorologie, Kommentar von Anselm Haverkamp unter Mitarbeit von Dirk Mende und Mariele Nientied, Frankfurt a.M., Suhrkamp, 2. Aufl. 2021, S. 33. „Was ich hier vorlege, ist ja ohnehin nur Halbzeug, und die Perfektion und Lückenlosigkeit, mit der man über ‚das Sein‘ handeln kann, ist auf diesem Felde ganz unerreichbar.“

27 Anselm Haverkamp, Metapher – Mythos – Halbzeug. Metaphorologie nach Blumenberg, Berlin/ Boston, De Gruyter, 2018, S. 6.

28 Ibid., S. 53.

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Pour citer cet article

Référence papier

Daniel KAZMAIER, « „Augenweide“ und „Ohrenschmaus“ »Cahiers d’Études Germaniques, 90 | 2026, 149-162.

Référence électronique

Daniel KAZMAIER, « „Augenweide“ und „Ohrenschmaus“ »Cahiers d’Études Germaniques [En ligne], 90 | 2026, mis en ligne le 01 juin 2026, consulté le 14 septembre 2026. URL : http://journals.openedition.org/ceg/25095 ; DOI : https://doi.org/10.4000/16hmy

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