L’Europe, ses langues. Quelle unité ?
L’Europe, ses langues. Quelle unité ?, Sous la direction de Christine Fourcaud, Observatoire européen du plurilinguisme – OEP, Reihe Plurilinguisme. Band 2023/2 – ISBN: 978-2-492327-18-6 – 234 Seiten. Als kostenpflichtiger Download (3,99 €) oder in Druckform (12 €) erhältlich
Résumés
L’ouvrage propose une réflexion stimulante sur l’unité européenne dans la diversité linguistique. Issu d’un séminaire à SciencesPo Paris, il réunit chercheurs et étudiants de plusieurs disciplines et interroge les liens entre plurilinguisme, identité et démocratie en Europe. Les contributions explorent les dimensions philosophiques, institutionnelles et culturelles du plurilinguisme, et Christine Fourcaud (dir.) souligne le rôle de la langue comme espace de dialogue et de cohésion politique.
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1Der 2023 erschienene Sammelband unter der Leitung von Christine Fourcaud widmet sich der Frage nach den Zusammenhängen zwischen Mehrsprachigkeit, Identität, Demokratie und politischer Integration in Europa. Im Anschluss eines interdisziplinären Seminars an SciencesPo Paris vereint er Beiträge (darunter sechs von Studierenden, die am Seminar teilgenommen haben) aus verschiedenen Fachrichtungen – Philosophie, Politikwissenschaft, Linguistik, Rechtswissenschaft –, die sich auf die folgenden Fragen konzentrieren:
2- Ist eine europäische Identität denkbar, ohne nationale Identitäten zu verdrängen?
- Ist Mehrsprachigkeit ein Hindernis oder eine Bereicherung für die Einheit Europas?
- Kann Europa ein politisches „Volk“ werden – jenseits wirtschaftlicher Interessen?
3Der Band ist durch eine umfangreiche Einleitung, ein Vor- und ein Nachwort eingerahmt. Diese paratextuellen Elemente spiegeln die institutionelle Verankerung der Herausgeberin Christine Fourcaud wider: Promovierte Dozentin an der Universität Reims Champagne-Ardenne und an SciencesPo sowie Mitglied der Forschergruppe Linguistique, Langues et Parole (LiLPa, UR 1339) der Universität Straßburg. Sie ist Expertin für europäische Mehrsprachigkeit, mit deutsch-französischem Hintergrund und Erfahrung in der Sprachpolitik. Ihr empirischer Ansatz ist von der Sprachphilosophie geprägt und berücksichtigt pädagogische, kulturelle sowie institutionelle Aspekte. Der Band überzeugt sowohl durch die Vielfalt der Autor:innen (erfahrene Forschende und Studierende) als auch durch die innovative Entstehungsweise.
4Das Vorwort stammt vom niederländischen Philosophen und Historiker Luuk van Middelaar; das Geleitwort verfassten die jeweiligen Präsidenten der Universitäten Straßburg und Reims. Das Nachwort wurde von Rudolph Sock (Leiter der Forschergruppe UR 1339) und Christian Tremblay (Präsident der Europäischen Beobachtungsstelle für Mehrsprachigkeit OEP) gemeinsam verfasst. Der Sammelband gliedert sich in drei thematische Schwerpunkte:
5Philosophisch-politische Dimensionen europäischer Identität
6Der Philosoph Philippe Mengue analysiert die Demokratie als permanente Krise und unterscheidet – anhand der Figuren Renan, Foucault und Deleuze – zwei Konzepte des Gemeinsamen: das trennende Universelle und die vereinende Fabulation. Er betont in dem abgedruckten Vortragsmanuskript vom 17.1.2021, dass die Aufgabe der Philosophie nicht darin besteht, Macht zu modellieren, sondern darin, einen Raum des freien Fragens gegenüber Wissen und Kontrollmechanismen zu bewahren. Juliette Dhulst (Master Politiques publiques – Administration) reflektiert über eine europäische Staatsbürgerschaft auf Basis einer transnationalen Geschichts- und Kulturinterpretation. Paul Soudet (Master Politiques publiques – Administration) nähert sich aus interkultureller Perspektive der Frage nach europäischer Identität angesichts aktueller Krisen. Arto Debrabandère (Master Stratégies territoriales et urbaines) ergänzt diesen Rahmen, indem er die Spannung zwischen Universalität und kultureller Einzigartigkeit hinterfragt und mit einem philosophischen Blick die identitäre Verortung Europas beleuchtet.
7Institutionelle und politische Perspektiven
8Eva Esteyries (Master Carrières juridiques et judiciaires) untersucht, ob europäische Institutionen Populismus fördern, und konstatiert eine Sinnkrise des Integrationsprojekts. Aus demselben Masterstudiengang analysiert Thibaud de Géa die ambivalenten Auswirkungen von KI und automatischer Übersetzung auf den europäischen Mehrsprachigkeitsdiskurs und stellt Fragen zur digitalen Souveränität.
9Sprachliche und kulturelle Zugänge zur Mehrsprachigkeit
10Maïra Afify (Master Communication, Médias et Industries) untersucht, wie Mehrsprachigkeit unsere Weltsicht verändert und eine interkulturelle Identität fördert – vorausgesetzt, sie erschöpft sich nicht in der bloßen Addition von Sprachen.
11Die Herausgeberin Christine Fourcaud stellt in ihrer Einführung und im Schlusskapitel die Sprache als zentrales Element der politischen Konstruktion Europas heraus. Sie warnt vor der Verarmung des Politischen durch technologische Standardisierung und plädiert für ein Verständnis von Sprache als Raum der Koexistenz, des Dialogs und gemeinsamer Imagination.
12Zu Beginn skizziert Christine Fourcaud den Rahmen des interdisziplinären Seminars mit SciencesPo-Studierenden zu Mehrsprachigkeit, Identität und europäischer Demokratie, aus dem diesem Sammelband entstand. Ein paar nähere Information des „über mehrere Semester hinweg“ geführten Seminars (S. 17) wären wünschenswert gewesen. Aus einer von Michel Serres und Hannah Arendt inspirierten Perspektive verteidigt sie Sprache als Grundlage politischen Zusammenhalts und gemeinsamen Imaginierens – ein pädagogischer und intellektueller Beitrag zur Frage nach europäischer Einheit in sprachlich-kultureller Vielfalt.
13In ihrem Schlusskapitel hinterfragt Christine Fourcaud den alten Traum einer vollkommenen Sprache, der durch Künstliche Intelligenz neuen Auftrieb erhält. Sie warnt vor einer übermäßigen Rationalisierung der Kommunikation, die Sprache und Denken verarmen lässt, und bekräftigt die Bedeutung von Sprache als Raum des Dialogs und der Koexistenz – als Grundlage europäischer Identität.
14Die Mitwirkung von sechs Studierenden verleiht dem Band besondere Frische und macht seine interdisziplinäre Ausrichtung greifbar. Trotz kleiner formaler Schwächen (unvollständige Referenzen, inkonsistente Zitierweisen) bietet das Buch anregende Denkanstöße für die Reflexion über einen politischen, mehrsprachigen europäischen Raum – sowohl im akademischen wie im pädagogisch-bürgerschaftlichen Kontext.
15Insgesamt leistet der Band einen originellen und interdisziplinären Beitrag zur Reflexion über ein mehrsprachiges Europa. Die gelebte Interdisziplinarität macht ihn zu einem wertvollen Werkzeug für Forschende, Lehrende und Sprachpolitik-Praktiker:innen.
Pour citer cet article
Référence papier
Anemone Geiger-Jaillet, « L’Europe, ses langues. Quelle unité ? », Éducation et sociétés plurilingues, 59 | 2025, 101-104.
Référence électronique
Anemone Geiger-Jaillet, « L’Europe, ses langues. Quelle unité ? », Éducation et sociétés plurilingues [En ligne], 59 | 2025, mis en ligne le 23 août 2026, consulté le 13 octobre 2026. URL : http://journals.openedition.org/esp/14846 ; DOI : https://doi.org/10.4000/16okh
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