Mascha Kaléko sprach seit dem Exil in den USA fließend Englisch und schrieb vieles auf Englisch, vor allem Tagebücher und ihre Korrespondenz, aber auch Werbetexte und wenige Gedichte. Über das Dichten in einer anderen Sprache und über das Übersetzen eigener Gedichte äußerte sie sich tendenziell kritisch. In dem im Nachlass befindlichen Text „Von der Unübersetzbarkeit lyrischer Dichtung“ heißt es zu der Frage, warum sie nicht oder kaum auf Englisch dichte:
Niemandem, der nicht direkten schmerzlichen Kontakt mit diesem Problem erfahren hat, scheint es einzufallen, daß, um in einer Sprache dichten zu können, es nicht genügt, daß man diese Sprache beherrsche, die Sprache muß u n s beherrschen.
Uns aber beherrscht nur jene Sprache, in der wir zuerst MUTTER sagten und ICH LIEBE DICH. Die Gefühlsassociationen der Kindheit und ersten Jugend, das Empfindungs- und Geistesgut, die in unserer Muttersprache eingeschlossen sind wie der Nußkern in seiner Schale, sie sind es, die uns in einer neuerwo...






