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Texte intégral

1Die nachfolgende Sammlung von Aufsätzen geht auf eine Tagung zurück, die im Rahmen des Eucor-Projektes „Konjunkturen des Unbewussten“ konzipiert und durchgeführt wurde.

2Ziel dieses Projekts, an dem Wissenschaftler*innen aus Basel, Mulhouse, Strasbourg, Freiburg und Karlsruhe beteiligt waren, war es, die seit der Goethezeit im deutschen und französischen Sprachraum stattfindende Auseinandersetzung mit der diskursiven Verbindung von Psychologie und Esoterik systematisch und historisch zu untersuchen. Das Projekt verortete die Schnittmenge der beiden Denkbewegungen in einem Konzept des Unbewussten, welches nicht nur individualpsychologisch gedacht wird, sondern auch eine metaphysische Offenheit besitzt, durch die es mit dem Göttlichen, Absoluten, der Natur etc. verbunden ist. Folge der Interaktion dieser zwei differenten, in einem Punkt jedoch korrespondierenden Diskursstränge ist, so wurde herausgearbeitet, ein begrifflich eher flottierendes denn fest zu definierendes, eher negativ denn positiv zu bestimmendes Konzept des Unbewussten, das gerade durch diese Vielschichtigkeit und die damit verbundenen Inkohärenzen seine intellektuelle, mediale und nicht zuletzt ästhetische Wirkmacht erhält.

3Diese ‚Metaphysik des Unbewussten‘ wurde in ihren literarischen Ausformungen, aber auch in ihren philosophischen, theologischen, künstlerischen und psychologisch-psychiatrischen Spielarten, vor allem aber in deren Verbindungen untersucht. Analysiert wurden also einerseits literarische Texte und Kunstwerke vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, andererseits eine zeitgleich zu beobachtende philosophische bzw. allgemein kulturtheoretische Traditionslinie, die beide durch die genannte Verbindung geprägt sind. Herausgearbeitet wurde demzufolge das Unbewusste als eine doppelte, in sich korrespondierende Matrix der Kultur-, Literatur- und Kunstgeschichte der Moderne: als reflexiv uneinholbare Bedingungen des Denkens, Schreibens und der künstlerischen Produktion und zugleich als metaphysisches Konzept, das eine Transzendierung der Grenzen menschlicher Individualität verspricht.

4Wenn nun auf der Tagung und in den aus ihr entstandenen Beiträgen auf das Verhältnis von Mystik und Psychologie abgehoben wurde, so wurde damit ein zentrales Versprechen des oben genannten Projekts eingelöst, nämlich die Rekonstruktion von Theorien eines Zustandes jenseits von Verstand und Vernunft in der Mystik und deren Schnittmenge mit dem Konzept des Unbewussten in Philosophie und Psychologie seit dem 18. Jahrhundert. Dass dies auf mehreren historischen Ebenen geschah – von Meister Eckart bis in die Moderne – und dass hierfür auch die Dimension des Religionsvergleich mitberücksichtigt wurde, macht die Aufsatzsammlung zu einer zentralen Veröffentlichung des Projekts und zugleich zu einer außerordentlich lesenswerten Anthologie.

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Pour citer cet article

Référence papier

Maximilian Bergengruen, « Grußwort »Recherches germaniques, HS 16 | -0001, 5-6.

Référence électronique

Maximilian Bergengruen, « Grußwort »Recherches germaniques [En ligne], HS 16 | 2021, mis en ligne le 07 octobre 2021, consulté le 14 juillet 2026. URL : http://journals.openedition.org/rg/5579 ; DOI : https://doi.org/10.4000/rg.5579

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